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Around Annapurna 2010 -> Reise-Newsletter |
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Annapurna-Runde im April 2010
Die Annapurna-Runde ist über 200 km lang, es sind knapp
8.000 Höhenmeter zu überwinden, man ist fast 3 Wochen unterwegs und man kann
dabei rund 10 kg abnehmen. Der Weg führt das Marsyangdi-Tal hinauf über den
Thorung La-Pass (5.416m) und dann das Kali Gandaki-Tal hinunter. Zum Abschluss
dann nochmals eine kleine Passüberquerung auf fast 3.000 Metern, wobei
Ausgangs- und Endpunkt knapp über 1.000 Höhenmeter liegen. Die Anreise zum München Airport mit der Deutschen Bahn
funktioniert einwandfrei. Kein Wunder – unser Bahnexperte Thomas G. aus S.
ist auch nicht dabei (dieser trainiert momentan aufgrund eines gewonnenen
Gutscheins im Women’s Fit in Bietigheim-Bissingen). Nach dem Einchecken gönnen
wir uns trotz Karfreitag noch eine Schweinshaxe bevor wir mit Etihad über Abu
Dhabi nach Kathmandu fliegen (Would you like more Champagne ?).
In Kathmadu werden wir mit Begrüßungsschals (Kata) und
Blumengirlanden empfangen. Tag 1: Kathmandu 1.350m – Bhulbhule 840m Im "VIP deLuxe"-Bus fahren wir das Trisulital hinunter nach Besisahar. Wobei wir die wenigste Zeit fahren. Die meiste Zeit stehen wir am Straßenrand und halten nach weiteren Mitfahrern Ausschau bzw. stehen im Stau bzw. stehen mit einer Panne am Straßenrand. Und wenn sich dieses VIP-deLuxe-Vehikel einmal bewegt, dann rast dieser verrückte Fahrer wie ein Wahnsinniger die kurvenreiche und mit Schlaglöchern übersäte Strecke das Tal hinab. Festhalten und Mitbremsen ist angesagt. 6 Stunden Fahrt sind prognostiziert – wir brauchen bei hochsommerlichen Temperaturen knappe 11 Stunden. Die letzten paar Kilometer müssen wir dann noch den Bus wechseln, da sich der Betreiber weigert, weiterzufahren. Als wir in Besisahar ankommen ist es bereits dunkel. Highlight des Tages ist ein eiskaltes Everest-Bier in unserer Lodge.
Tag 2: Bhulbhule – Ghermu 1.150m Tag 3: Ghermu – Tal 1.700m Vor der heutigen Tagesetappe habe ich Bammel. Da habe ich vor 3 Jahren schlapp gemacht und Temba wollte mir damals für den letzten Aufstieg nach Tal ein Pferd kaufen. Diese Schmach will ich mir dieses mal nicht aussetzen…. Am frühen Morgen fliehen wir wegen meinem Bett aus Ghermu. Da die zweite Pritsche in meinem Zimmer auch bedrohlich geknirscht hat, habe ich übrigens auf dem Boden geschlafen. Im stetigen Auf und Ab führt die Treckingroute, die heute früh der neuen Straße entspricht, staubig und schattenlos bei sonnigem Wetter an Wasserfällen und Marihuana-Feldern vorbei Richtung Norden. Eckhart hat Magenprobleme und als Diabetiker zusätzlich Probleme mit Unterzucker. Teilweise torkelt er wie betrunken den Weg entlang. Eine Portion Traubenzucker bzw. ein Schluck Cola bringt ihn aber wieder in die richtige Spur. Der steilen Anstieg hinauf nach Tal (Tal heißt auf nepalesisch übrigens „See“) ist für ihn sehr mühselig. Ich rede ihm gut zu, versorge ihn mit Cola und komme selbst überraschend locker den steilen Aufstieg hinauf. Auf dem Bergrücken empfängt uns ein steinernes Tor, das den Weg ins breite, windige Flusstal von Tal freigibt. Der Ort selbst wirkt wie eine staubige Westernstadt. Nur dass hier keinen Pferde sondern hauptsächlich Esel herumrennen.
Vor unserer Lodge wirft sich plötzlich Roger (sprich
Roschee; wie bei den Ferreros) auf den Boden und photographiert lila Blümchen.
Ich photographiere ihn. Wer hat da jetzt das bessere Motiv erwischt ??
Trotz Scheißerei trinkt Eckhart sein Feierabendbier und raucht seine
Zigarillos. Er ist unvernünftig. Spruch des Tages: „Du
bist wie mei Fra- Du erzählst und ich höre nicht zu !“ Tag 4: Tal – Danagyu 2.250m Beim Frühstück bricht ein Plastikstuhl zusammen – wer da wohl draufgesessen hat ??? Es ist windig und wir laufen am Fluss entlang. Eckhart geht es dreckig. Er hat Unterzucker. An einer Brücke wankt er bedenklich. Mingmar und ich können ihn gerade noch halten, bevor er den Fluss hinunterstürzt. Wir machen uns mittlerweile ernsthaft Sorgen. Mingmar will ein Pferd besorgen. Ich „renne“ den Berg hinauf zur nächsten Lodge und besorge erst mal eine Cola und somit den notwendigen Zuckerschub. Ab sofort führen wir immer eine „Notration Cola“ mit uns….. Bei einer Rast treffen wir einen heiligen Mann im orange/roten Gewand, der auf einer Pilgerreise nach Muktinath ist. Er raucht ein Marihuana-Pfeifchen. Eckhart setzt sich daneben und raucht einen Zigarillo. Es geht ihm wohl wieder etwas besser…. Wir laufen über riesige Felsen am Fluss entlang nach Dharapani (1.900m). Der Marsyangdi fließt hier durch eine enge Schlucht und der Treck ist in den Fels gehauen. Links geht es sehr tief und fast senkrecht die Klippen runter. Für eine „nicht schwindelfreie Bergziege“ wie mich nicht das bevorzugte Terrain. In Begarchap (2.160m) zeigt sich beim Blick zurück erstmals im diesigen Gegenlicht der Manaslu, mit 8.156m der achthöchste Berg. Der Ort selber ist durch eine riesige Steinlawine, die 1995 zig Todesopfer forderte, zweigeteilt. In Danagyu beziehen wir die angenehme, blau-weiß angemalte Tibetan-Lodge. Am Abend isst mir Roger mein „Curry-Egg wit Rice“ weg – es hat ihm nicht wirklich geschmeckt. Dafür schmecken mir seine Tomato-Spaghetti ausgezeichnet !
Tag 5: Danagyu –
Chame 2.670m An zwei langen, mit vielen Gebetsmühlen
geschmückten Mani-Walls vorbei, geht es gleich hinter Danagyu steil bergauf
nach Temang. Der schneebedeckte Gipfel des Manaslu ist im diesigen Licht nur
schwer auszumachen. Grillen zirpen. Muli-Karawanen wirbeln Staub auf. Der
Schweiß läuft. Auf einer Anhöhe sind erstmals auch die Ausläufer des
Annapurna-Massivs zu sehen. Wir wandern durch Rhododendron-Wälder, die
teilweise rote Blüten tragen.
Tag 6: Chame – Lower Pisang 3.200m Über eine wacklige Hängebrücke verlassen wir an einem kleinen buddhistischen Tempel vorbei Chame. Weit oberhalb vom Fluss laufen wir auf der „Straße“ nach Bhratang. Der „Fast-Achttausender“ Annapurna II und der Lamjung Himal glitzern heute im Licht der Morgensonne. Es geht jetzt steil auf aus dem Fels gesprengten Terrassen nach oben. Bei genau 3.000 Höhenmetern überqueren wir den Marsyangdi einmal mehr auf einer wackeligen Hängebrücke. Auf einem staubigen, mit Wurzeln durchzogenen Pfad führt der Weg im Wald weiter bergauf. Plötzlich versperrt uns eine riesige graue Wand den Weg. Wie eine geschwungene Welle liegt der Paungda Danda, ein glatter, schneebedeckter Granitfelsen vor uns. Hinter uns ragen die Annapurnas in den Himmel. Jetzt sind wir im Hochgebirge angekommen !! Als wir aus dem Wald rauskommen liegt das breite Manang-Tal plötzlich vor uns. Der Baumbestand lichtet sich nun merklich und Krüppelgebüsch nimmt überhand. Kalter Wind empfängt uns in unserer Lodge in Lower Pisang (3.200m). Ein ausgestopfter Lämmergeier hängt dort unter dem Dachfirst. Diese adlerähnlichen Vögel mit einer Spannweite von über zwei Metern ziehen normalerweise weit oben in den Bergen ihre Kreise. Im Hang gegenüber liegt Upper Pisang (3.300m), der erste Ort mit ausschließlich typischer tibetischer Bauweise. Übereinandergebaute, mit Holztreppen verbundene Steinhäuser, auf dessen Dächern das Holz gestapelt ist. Oberhalb des Ortes liegt ein buddhistischer Tempel. Kurz vor Mitternacht wache ich plötzlich auf. Im Zimmer neben mir läuft Nepali-Musik. Da die Zimmerwände aus Sperrholz bestehen ist an Schlaf nicht zu denken. Ich klopfe höflich an die Zimmerwand und rufe „please be quit“ – es wird leise und ich schlafe wieder ein. Doch mein Schlaf währt nicht lange. Plötzlich zelebriert unter mir ein vollgekiffter Lama eine Punja-Zeremonie für den kranken Eckhart. Am Anfang finde ich das Geleiere ja noch lustig, was vielleicht an den zunehmenden Marihuana-Schwaden liegt, die durch den Fußboden herauf in mein Zimmer schweben. Doch um 1.30 Uhr sabbert der unten immer noch – und langsam nervt’s. Das Zimmerfenster habe ich längst geöffnet, ansonsten wäre ich jetzt high. Zum Glück schläft der unten dann doch irgendwann über seinem Haschpfeifchen ein – und ich dann auch.
Tag 7: Pisang – Manang 3.450m
Eckhart geht es heute bedeutend besser. Klar – die Punja-Zeremonie heute
Nacht soll ja auch nicht umsonst gewesen sein ! Und es hat Kaiserwetter !
Blauer, wolkenloser Himmel. Lediglich über den Schneegipfeln, die am Talrand
hervorlugen, bilden sich kleine, weiße Kondenzwolken, die aber genauso
schnell wieder verschwinden wie sie auftauchen.
Bei der nächsten Rast wird uns Sanddornsaft angeboten.
Dieses orangegelbe Getränk schmeckt richtig gut und ist angeblich auch gesund
!! Obwohl sich Roger ja sicher ist, dass Sanddorn abführende Wirkung hat.
Wenn ich allerdings die Farbe meines Sanddornsaft (auf englisch übrigens fast
unaussprechlich „Seabuckthornjuice“) mit seinem Karottensaft vergleiche,
dann weiß ich schon jetzt, wer als nächstes auf der Schüssel sitzt.
Weiter geht es am in den Hang gebauten Braga-Kloster und vielen Mani-Walls
vorbei zur Distrikthauptstadt Manang (3.450m). Roger ist mit unserer Lodge
unzufrieden. Er fühlt sich „wie in einer Kaserne“. Und als ihn dann auch
noch „so ein Arschloch“ mit etwas Wasser bespritz, ist sein Spaßfaktor für
den heutigen Tag aufgebraucht.
Tag 8: Ruhetag in Manang Die Toilette in unserer „viiiiiel besseren“ Lodge ist verstopft. Eigentlich sollte ich ja jetzt Roger wecken, denn der hat seine Privatschüssel im Zimmer. Ich stehe bereits um 5 Uhr auf und beobachte das immer wieder beeindruckende Schauspiel eines Sonnenaufgangs in den Bergen. Die schneebedeckten Gipfel färben sich zuerst leicht orange und dann zieht das hellen Licht der Sonne langsam die Berghänge herunter. Der Kontrast der schneebedeckten Gipfel und des dunkelblauen Himmels am frühen Morgen fasziniert mich immer wieder. Um 6.30 Uhr ist das ganze Manangtal sonnenüberflutet und während alle anderen noch schlafen mache ich mich auf zur Dorferkundung. Besonders interessant ist der alte Ortskern mit der Tempelanlage. Ich folge einer alten Einheimischen auf ihrem täglichen „Gebetsweg“ durchs Dorf. Mit einer Gebetskette in der Hand rezitiert sie lächelnd das „Om mani padme hum“ und sie nickt mir zu, als ich sie um Erlaubnis frage, sie zu photographieren. Überall Mani-Walls und Gebetsmühlen in allen Größen. Teilweise fehlen die schön verzierten Gebetsmühlen. Diese wurden dann einfach durch gelbe Kaffeedosen ersetzt. Auf der anderen Seite des Tales glitzert der Gletschersee friedlich in der Sonne. Das Gletschereis zieht sich den Hang hinauf zum Gipfel des Gangapurna (7.455m).
Mitten auf dem Dorfplatz verrichtet ein kleiner Junge sein
morgendliches Geschäft. Drum herum spielen ein paar Kids Volleyball. Als Ball
dient ein mit Plastiktüten ausgestopfter Lederball. Der Briefkasten des Ortes
ist ein verrosteter, verbeulter, roter Kasten. Von meinem letzten Besuch hier
kann ich bezeugen, dass Karten, die in dieses rostige Ding geworfen wurden,
auch tatsächlich den Weg nach Deutschland gefunden haben !
Tag 9: Manang – Yak Kharka 4.018 m Es ist geschafft. Eckhart ist wieder fit !!! Das wurde auch Zeit, denn Spaß hatte Eckhart beim Wandern bisher noch nicht wirklich. Wir steigen nach Upper Manang (Tengi, 3.650m) auf. An einer Chorten hat man einen schönen Blick zurück auf Manang, den Gletschersee und die umliegenden Berge. Die Einheimischen betreiben Ackerbau. Zwei störrische Wasserbüffel sind vor einen wackligen Holzpflug gespannt und der Bauer versucht damit möglichst gerade reihen in den staubtrockenen Boden zu pflügen. Am Feldrand sitzt ein Baby und spielt mit einem rosa Plastikschuh. Die Mutter schläft im Schatten eines dornigen Gestrüpps. Am Ortsausgang wollen uns Einheimische „original tibetischen Schmuck, very good und very cheap“ verkaufen. Wer kauft hier Souvenirs und schleppt das Zeug dann über den Pass ??? Ein Lämmergeier zieht direkt über uns seine Kreise und die Ausblicke werden jetzt immer dramatischer. Beim Blick zurück die sonnenüberflutete Annapurnakette und vor uns ein Seitental, an dessen Ende der 5.416 Meter hohe Thorong La (La=Pass) liegen muss. Im Hang über uns weiden ein paar Blauschafe. Wobei ich mich bei diesen Tieren immer wieder frage, was an denen blau sein soll ? Die Augen ???? Da wir aufgrund der Höhenanpassung heute nur 3 Stunden wandern, steht uns der Nachmittag „zur freien Verfügung“. Wir nutzen das zum Pennen, Yoga machen, einer Dusche im Freien, einen Sonnenbrand holen und zum Zocken.
Tag 10: Yak Kharka –
Thorung Phedi 4.4.50m
Tag 11: Thorung Phedi – Thorung La 5.416m –
Ranipauwa 3.700m
Wir rasten an einem kleinen Teahouse auf ca. 5.100 Metern. Heißer Tee und ein paar Kekse. Ich gönne mir noch einen Koffeinschub – eine Cola. Für „Notfälle“ steht hier auch ein Pferd zur Verfügung, dass einen für 40 Euro den Pass hochbringt. Wir gehen weiter und kommen an Gräbern vorbei. Eines davon ist ein Deutscher, der an der Höhenkrankheit gestorben ist. Eckhart, der mittlerweile wieder topp fit ist, passt sich meiner Aufstiegsgeschwindigkeit an. Etwas weiter unten begleitet Mingmar Roger, der Probleme mit den Nieren und einer Fußverletzung hat. Im letzten Teil des Anstiegs lasse ich mich zweimal von Gebetsfahnen täuschen. Jedes mal denke ich wir sind oben, doch dann geht es nochmals ein Stück weiter rauf. Doch dann ist es geschafft – die Passhöhe ist erreicht ! Ich überlasse Eckhart auf den letzten Metern den Vortritt und wir gratulieren uns und unseren Trägern zur erfolgreichen Passüberquerung. Leider erleben wir jetzt eine Enttäuschung. Wir hatten eigentlich gehofft, dass wir im Teahouse hier oben ein „Siegbier“ bekommen. Die haben aber keines hier. Deshalb müssen wir halt mit Schwarztee auf die Passüberquerung anstoßen. Eckhart genehmigt sich einen Zigarillo.
Mittlerweile sind auch Mingmar und Roger oben angekommen. Wir machen auf der mit vielen Gebetsfahnen behängten Passhöhe „Beweisfotos“. Und dann kommt, was kommen muss: Resam Piriri, der Volkssong und Volkstanz der Nepalis, aus voller Kehle gesungen (bzw. gekröhlt) - als wären wir auf Meereshöhe. Und ich verspreche feierlich, dass ich bis zum nächsten mal textsicher bin….. Ich steige ein paar Meter den Hang hinauf und genieße im Stillen die Aussicht auf die zurückliegenden Schneegipfel. Auf der anderen Seite des Passes ein komplett anderes Bild. Kein Schnee. Sondern nur karge, tibetische Landschaft. Wir machen uns an den Abstieg: 1.700 Höhenmeter ! Es geht steil auf staubigen und steinigen Wegen abwärts. Bremsen ist angesagt. Wir bedauern die Wahnsinnigen, die von dieser Seite her den Pass überqueren wollen und bereits auf halber Strecke total fertig aussehen. Nach 3 Stunden Abstieg erreichen wir die erste Lodge. Und hier bekommt Eckhart auch sein Siegbier ! Ich genehmige mir das Bier und dazu Yak-Momos erst 2 Stunden später, als wir unser Tagesziel Ranipauwa erreicht haben. Tag 12: Ranipauwa –
Muktinath 3.900m – Kagbeni 2.800m Ein toller
Sonnenaufgang über dem schneebedeckten Nilgiri. In der Ferne ist der
Dhaulagiri (8.167m) im Morgenlicht zu sehen. Wir wandern hoch nach Muktinath,
eine der wichtigsten Pilgerstätten für Buddhisthen und Hindus. Hier brennt
in einem Tempelkomplex ein Feuer auf Wasser !! Eine kleine blaue Gasflamme
kommt aus einem Loch zusammen mit einem Wasserstrahl. Die Hindus denken, dass
dieses Wunder von Brahma für seine Anhänger gemacht wurde. Hinter einem
weiteren Tempel sind 108 „Duschen“ angebracht. Eiskaltes Wasser fließt
hier aus Tiermäulern. Für Hindus soll ein Bad unter allen 108 Duschen die
Vergebung aller Sünden bringen. Und da dies ja vielleicht auch für uns gilt,
nehmen wir dieses Prozedere im eiskalten Wasser natürlich auch auf uns.
Karmi und Sonam haben orangefarbene Bändel gekauft und diese unter das
heilige Wasser gehalten. Jetzt binden sie uns die Bändel um den Hals.
Ein heiliger bärtiger Mann mit orangen Umhang und gelben Turban sitz rauchend
in der Sonne. Eckhart setzt sich mit Zigarillo daneben. Nun sitzen zwei
heilige, bärtige Männer rauchend in der Sonne. In einem kleinen,
verrauchten Tempel spritzt ein Heiliger Butter zischend in ein kleines
Feuerchen. Überall hängen Glocken, die darauf warten, geläutet
zu werden.
Es folgt ein windiger Abstieg vobei am roten Kloster und der
Fort-Ruine von Jharkot nach Kagbeni. Jetzt ist zu sehen, dass der Straßenbau
auf dieser Seite des Passes schon weiter vorangeschritten ist. Jeeps und
Motorräder bringen auf den staubigen Straßen Pilger herauf nach Muktinath.
Auch ist das ganze Tal „verkabelt“ und Strommasten verunstalten die Blicke
ins Tal.
Tag 13: Kagbeni – Marpha 2.670m Der Spruch des Tages bereits beim Frühstück: „Achhhhhh ! Auf der Schüssel sitzen und genüsslich drücken….bei dem Local Clo ist das wegen meiner Artrose gar nicht so einfach für mich…im Stehen und dann genau zielen….“ Und wenn wir gerade beim Thema sind wollen wir auch noch wissen, weshalb Monika P. aus W. nicht mit nach Nepal geht ? -> „Sie muss jeden Tag eine frische Unterhose tragen“ -> Die Lösung: Einweghöschen!!!! Es ist heute diesig und die Berge im Sonnenlicht fast nicht
auszumachen. Wir „rennen“
heute laut Roger das ca. 1 km breite Flusstal des Kali Gandaki hinunter auf
den 700er Nilgiri zu. Der Weg führt durch ein ausgetrocknetes Kiesbett. Am
Ende eines Seitentals sind einige schöne Schneegipfel zu sehen. An einer
„roten Ampel“ (Nepali mit roter Fahne) werden wir ausgebremst. Hoch oben
arbeitet ein Bagger an der Straße. Steinschlaggefahr !
In Jomsom, einem unsympathischen Drecksnest mit Airport, machen wir
Trinkpause. Ein Inder, der gerade mit dem Flugzeug angekommen ist, stellt sich
vor uns hin und photographiert uns. Ich verlange 10 Ruppees, die dieser aber
nicht bezahlen will. Auf der restlichen Strecke nach Marpha, der
Apfelhauptstadt Nepals mit eigener Schnapsbrennerei, haben wir Gegenwind.
Wobei man diese geschätzte Windstärke 8 auch als Sturm bezeichnen könnte.
In Marpha genehmige ich mir erst mal einen frisch gepressten Apfelsaft, bevor
ich meine Luxus-Gartensuite mit „attached bath“ beziehe. Leider
funktioniert die Toilettenspülung nicht weil das Wasser abgestellt ist –
dafür schwimmen ein paar übel riechende Teile von meinem Vormieter in der
Schüssel…..
Tag 14: Marpha –
Kalopani 2.530 m Eckhart und ich bestellen zum Frühstück
„Apple Brandy“ – wir sind schließlich in der Apfelhauptstadt ! Am
heutigen Morgen sind in den engen Gassen von Marpha schon etliche Muliherden
unterwegs. Und als wir aufbrechen, kommen noch 3 Esel dazu….
Beim Toilettenbesuch halte ich plötzlich den Türrahmen
selbiger in den Händen. Ich habe halt zu viel Kraft… Der
weitere Straßenverlauf führt in einem großen Bogen am Hang entlang. Deshalb
nehmen wir eine Abkürzung durchs Kiesbett. Der Hauptstrom des Kali Gandakis
fließt auf der anderen Talseite. Aber leider haben wir den „kleinen“
Nebenfluss übersehen. Nicht besonders breit, nicht besonders hoch und auch
die Fliessgeschwindigkeit ist nicht allzu hoch. Aber halt zuviel Wasser um
trockenen Fußes hindurchzukommen. Und was nützen schon wasserdichte
Wanderschuhe, wenn das Wasser oben hineinläuft ? Also Schuhe runter und
barfuss durchs eiskalte Wasser waten… Tag 15: Kalopani – Tadopani 1.190m – Sikha 1.970 m Ich schaue am frühen Morgen aus dem Fenster. Und ich sehe ihn – den Annapurna I, mit 8.091 Metern der zehnthöchste Berg der Welt. Während sich die Straße heute in vielen Kehren den Berg hinunterwindet, nehmen wir den direkten Weg steil hinunter. Auf einer langen Hängebrücke queren wir zur anderen Talseite und plötzlich zeigt sich uns wieder der Annapurna I und der Annapurna South. Kleine weiße Kondenzwölkchen wehen um die Gipfel herum. Doch noch besser ist der Blick zurück, wo sich der Dhaulagiri und seine Gletscher in seiner ganzen Pracht zeigt. Jetzt wird auch klar, weshalb wir uns hier in der weltweit tiefsten Schlucht befinden. Wir sind hier auf ca. 2.000 Höhenmeter und auf beiden Seiten ragen Achttausender in die Höhe! In Ghasa mieten wir uns für 4.500 Ruppees einen Jeep und fahren auf dieser waghalsigen Strecke hinab nach Tadopani. Teilweise ist die „Straße“ aus dem Fels gesprengt, riesige Schlaglöcher, matschige Passagen und teilweise geht es links von uns mehrere hundert Meter steil hinunter. Besonders bei Gegenverkehr entstehen heikle Situationen. Zum Glück haben wir einen besonnenen Fahrer und kommen heil in Tadopani an.
Es ist heiß in Tadopani – subtropisch heiß ! Deshalb verzichten wir auch auf ein Bad in den heißen Quellen (Tado=heiss, Pani=Wasser) und suchen lieber den Schatten in einem Gartenrestaurant. Es gibt hier viele rote Pflanzen, auf denen riesige schwarze Schmetterlinge herumflattern. In der prallen Mittagsonne beginnen wir den Aufstieg Richtung Ghorepani (2.750m). Doch bereits nach wenigen Minuten laufe ich praktisch aus. Meine Wasserflasche ist schnell leer, denn das Wasser scheint direkt als Schweiß über meine Poren wieder auszutreten. Ich bin schnell körperlich am Ende. Zum Glück helfen mir Roger und Eckhart mit Wasser aus, sonst hätte ich die 300 Höhenmeter hoch zur ersten kleinen Passhöhe bestimmt nicht geschafft.
In der kleinen Lodge auf der Passhöhe machen wir Rast und
ich schütte mich mit Cola und Wasser zu. An einem kleinen Brunnen nimmt ein
kleiner Nackedei eine Dusche. Ich setzte mich neben die Kleine unter den
lauwarmen Wasserstrahl. Eckhart kauft sich einen kleinen Vorrat Kukuri-Chips,
deren orange Packungen er als Schal um seinen Hals legt. Mit genügend
Flüssigkeit fällt mir der weitere Weg hoch nach Sikha etwas leichter.
Trotzdem bin ich froh, als wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit in unserem
Nachtquartier ankommen. Leider ist kein Koch im Hause und deshalb müssen
unsere Jungs ran. Und die machen ihre Sache ganz gut. Obwohl Roger quengelt,
weil die Spaghetti kalt sind, das Ganze zu lange dauert, der Tee bereits vor
einer Stunde bestellt wurde….. Tag 16: Sikha – Ghorepani 2.750m Vom Bett aus bewundere ich den Sonnenaufgang am Dhaulagiri. Das Schneefeld um den Gipfel färbt sich zuerst orange und sobald die Sonne auch das Tal bescheint, spiegeln sich die Sonnenstrahlen auf dem weißen Schnee. Ich bin vom Vortag noch geschwächt und bereits bei der Mittagsrast habe ich keinen Bock mehr auf wandern. Entsprechend schwer fällt mir deshalb auch der steile Anstieg hoch nach Ghorepani. Ein paar Minuten laufen, ein paar Minuten Rast – wobei die Laufintervalle immer kürzer und die Pausen immer länger werden. Ich denke kurzfristig sogar daran, mich von einem Esel hoch tragen zu lassen – aber das wäre dann ja Tierquälerei…. Irgendwann komme ich dann doch völlig entkräftet oben an. Beim Ausruhen bekomme ich Krämpfe und Seitenstechen. Dagegen hilft laut Eckhart ein Everest-Bier. Er hat Recht – das Bier hilft und deshalb verschreibe ich mir für den Abend noch 2 Flaschen dieser Medizin.
Tag 17: Ghorepani
– Birethanti 1.020m – Phokara 850 m Bereits um 4
Uhr herrscht Unruhe im Ort. Die meisten Touris laufen nämlich im Dunkeln hoch
zum Poon Hill (3.150m) um den Sonnenaufgang am Dhaulagiri zu bewundern.
Vielleicht sollte man denen mal sagen, dass man das vom Bett aus genauso gut
sieht….. Auch heute wieder das tolle Schauspiel eines Sonnenaufgangs auf
einem Achttausender. Ich sitze vor unserer Lodge und genieße den Ausblick. Wir trennen uns heute. Während
Eckhart und Mingmar noch eine weitere Woche zum Annapurna Basecamp wandern
werden, steigen Roger, Karmi, Sonam und ich über 1.700 Höhenmeter hinab nach
Birethanti. Vor allem die „3.000-Step’s of Ulleri“ machen wenig Spaß.
Eine Stufe nach der anderen – angeblich 3.480 Stück. Und alle
unterschiedlich breit bzw. hoch. Da jubilieren meine Knie! Und dann hat es
auch nur 35 Grad im Schatten…. In Birethanti haben Roger und ich nach 8 Stunden Laufzeit
keine Lust mehr. Für das letzte Teilstück kaufen wir uns mit etwas
Verhandlungsgeschick ein „billiges Taxi“, das uns „höchstkomfortabel“
zur Hauptstraße bringt. Von dort geht es dann mit einem anderen Taxi weiter
nach Pokhara. Es ist mittlerweile stark bewölkt und ein Gewitter ist im
Anzug. Kurz vor unserem Ziel in Pokhara fängt es dann auch an, wie aus Kübeln
zu schütten. Und dann knallen fingernagelgroße Hagelkörner herab. Unser
fahrer versucht zwar sich bei einer Tankstelle notdürftig unterzustellen,
doch ein paar Hageldellen in seinem relativ neuen Fahrzeug sind leider nicht
zu vermeiden. Der Fahrer schaut traurig drein, da er bestimmt keine
Versicherung gegen Hagelschaden hat. Tag 18: Pokhara Tag 19: Pokhara – Kathmandu Mit dem Tourist-Bus fahren wir zurück nach Kathmandu, wo unsere Annapurna-Runde ihr Ende findet ! |