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Everest 2006 -> Trekking nach Gokyo


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 Dia-Show Gokyo 04+06

Donnerstag, 13. April            Lukhla – Phakding            2.550 m                                                        Ich fliege nach Lukhla ins Everestgebiet. Begleitet werde ich von Gumre, dem Onkel meiner Patenkinder. Er war noch nie am Everest und somit haben wir wieder die nette Konstellation, dass er mein Träger ist und ich sein Guide. Außerdem ist Gumre noch nie geflogen. Entsprechend ängstlich klammert er sich an die Sitzlehne. Die Turbulenzen, die an diesem wolkenlosen Morgen auftreten, tragen auch nicht zu seinem Wohlbefinden bei. Ich genieße mittlerweile die tolle Aussicht auf die Himalaya-Berge. Am Lukhla-Airport herrscht das übliche Durcheinander. Hier landen und starten innerhalb weniger Minuten einige Maschienen und alles geht drunter und drüber. Nachdem ich meinen Rucksack gefunden habe, ziehe ich mich in die angenehme Himalaya Lodge zum Frühstücken zurück.

Endlich erwische ich auch mal bei der ersten, kurzen Tagesetappe nach Phakding tolles Wetter. Die schneebedeckten 5- und 6-Tausender glitzern in der Sonne. Verdreckte Kinder spielen auf den staubigen Wegen Fußball. In Ghat (2.500m) wird ein Baby im Bach gewaschen. Daneben sitzen Frauen, die sich ihr langes, schwarzes Haar kämmen. Kurz vor Phakding (2.600 m) dann Aufregung. Einige völlig vermummte Gestalten warnen uns -  Bienenalarm !! Gumre wirft sich sofort seine Jacke über den Kopf und empfiehlt mir, das gleiche zu tun. Ich gehe aber einfach weiter. Zurecht – denn die paar Bienchen sind nun wirklich kein Grund zur Panikmache. Obwohl es sich doch schon um recht große Brummer handelt.... Am Abend spiele ich mit Gumre Snooker. Der Tisch wurde übrigens mit dem Helikopter nach Phakding gebracht ! Anschließend ist eine Silvesterfete in der Küche unserer Lodge angesagt, denn morgen ist Nepali New Year. Chang, dieses milchige, selbstgebraute Bier, fliesst in Strömen. Es wird gesungen und getanzt. Wie schon befürchtet, muss ich ein typisches deutsches Lied vortragen. Ich geife auf das bewährte „Oh Tannenbaum“ zurück. Als die Jungs auf Rakshi, einen Reisschnaps und Kukuri-Rum umsteigen, ziehe ich mich zurück.

Freitag, 14. April            Phakding – Namche Bazzar 3.450 m                                               Auch hier in den Bergen sind Auswirkungen des Streiks zu spüren. Es gibt keinen Toast und  auch keinen Tomaten und Zwiebeln. Somit gibt es zum Frühstück „Omlette pur“. Dafür entschädigt das Wetter. Es ist wolkenlos und bereits am frühen Morgen ist es angenhem warm. Wir wandern am Dudh-Kosi entlang durch Rhododendron-Wälder. Einzelne Bäume stehen schon voll in der Blüte und bieten uns vereinzelt blutrote Durchgänge. Auch die vielen Vögel genießen die Morgensonne und ein schwarzer Vogel mit rotem Schwanz begleitet uns über eine Stunde. Mehrmals müssen wir den Fluss auf großen Stahlbrücken überqueren. Das ist gar nicht so einfach, denn die vollbeladenen Yaks haben „Vorfahrt“. In Monjo (2.800m) stärken wir uns für den langen Anstieg nach Namche Bazaar (3.450m), denn es gibt hier immer noch keinen Sessellift ! Erstes „Hindernis“ ist die Hillary Bridge, die in 85 Meter Höhe über die Einmündung des Bote Kosi in den Dudh Kosi führt. Der Blick von der mit Gebetsfahnen geschmückten Brücke runter ins Tal ist Klasse. Und heute rentiert auch ein Blick das Tal hinauf, denn dort sind aufgrund des wolkenlosen Himmels bereits die ersten „Ausläufer“ der Achttausender zu sehen. Doch wir können nicht lange verweilen. Ein scharfer Wind weht uns fast die Mützen vom Kopf und außerdem ist auch schon wieder eine Yakherde im Anmarsch… Jetzt kommt das steilste Stück der Strecke. In unzähligen Kehren geht es auf einem staubigen Weg steil nach oben. Viele in den Fels gehauene , ungleich hohe Treppenstufen machen einen gleichmäßigen Tritt unmöglich. An einem Rastplatz ist hinter Tannen zum ersten mal in der Ferne der Everest zu sehen. Über seinem Gipfel hängt der typische Wolkenschweif. Wir werden von einer Gruppe Sherpas überholt. Erst bei genauerem hinsehen fällt mir auf, dass diese Fleischteile den Berg hochtragen. Teile von Wasserbüffeln, die den Touris dann als „Yak-Steaks“ verkauft werden. Die Fleischteile sind natürlich nicht irgendwie hygienisch verpackt sondern liegen „natura“ in den Körben der Träger. Na dann – Mahlzeit !!           Die rund 150 großen Steinhäuser von Namche Bazaar sind mit ihren farbenfrohen Wellblechdächern in einem Halbkreis in den Hang gebaut. Die Höhenangabe von 3.450 m ist deshalb auch mit Vorsicht zu genießen, denn der Ort erstreckt sich mit Sicherheit über mehr als 100 Höhenmeter…

Samstag, 15. April            Namche Bazzar                                                                            Heute ist Ruhe- und Aklimatisationstag in Namche angesagt. Die Zeit verbringen wir mit Würfeln und dem Besuch des Samstags-Marktes. Hier wird auf kleinstem Raum alles veilgeboten, was man sich so vorstellen kann. Und natürlich alles „gut durchorganisiert und ohne Chaos“. Highlight ist heute eine Lotterie, bei dem es als Hauptpreis einen Fernseher zu gewinnen gibt. Das Los kostet 200 Ruppees – immerhin ungefähr der Tagesverdienst eines Sherpas! Das Büffelfleisch, das gestern heraufgetragen wurde, kann man jetzt hier käuflich erwerben. Immerhin nicht im Staub liegend sondern in einem „Metzgerhaus“, in dem es unangenehm richt.

Sonntag, 16. April            Namche Bazzar – Mong La 3.950 m                                               Zum „Warmlaufen“ geht es heute gleich mal 150 Höhenmeter nach oben. Zur Belohnung gibt es normalerweise ein einzigartiges Bergpanorama zu sehen. Everest, Lohtse, Nuptse und der Ama Dablam. Aber die Achttausender sind von Wolken verdeckt und „nur“ der kirchenähnliche Ama Dablam ist zu sehen. Eine herbe Enttäuschung erleben wir in Kenjoma bei meiner Freundin Ang Tahsi. Die „Dusche mit der weltbesten Aussicht“ (nämlich auf die oben beschriebenen Berge) ist weg. An ihrer Stelle baut Ang Tashi jetzt einen Speisesaal mit Sonnendach. Nach dem obligatorischen Freundschaftstee gehen wir weiter nach Mong La (3.960m). Der Weg führt steil am Hang nach oben. Viele hundert Meter weiter unten bahnt sich der Dudh Kosi seinen Weg ins Tal. Trotz der Entfernung ist das Grollen der Wassermassen zu hören. Zwei Lämmergeier ziehen über uns ihre Kreise. Eine Herde Thar (Rotwild) zieht quer den Hang hinauf. Auf der anderen Talseite ist das Kloster Tengboche (3.950m) zu sehen. Mong La besteht aus 3 Häusern und einem Chorten und liegt auf einem kleinen Bergvorsprung. Auf 3 Seiten geht es steil bergab. Obwohl es etwas bewölkt ist, ist die Aussicht von hier oben atemberaubend. In einer der Lodges hat es Nachwuchs gegeben und deshalb zelebrieren 3 Mönche eine Punja-Zeremonie. Das ständige „Ommm“ ist beruhigend und auch einschläfernd. Wir beschließen hierzubleiben und nutzen das „Gute Nacht-Lied“ der Mönche für ein Mittagsschläfchen... Ich werde durch laute Schläge aufs Hausdach geweckt. Es windet stark und das Wellblechdach scheppert. Dafür haben sich jetzt die Wolken fast komplett zurückgezogen und die Bergwelt leuchtet feuerrot im Licht der Abendsonne. Doch schnell fällt die Sonne hinter einem Bergrücken hinunter und es wird dunkel und ziemlich kalt. Die Kälte fällt mir vor allem in der Nacht auf, als ich zur Toilette vors Haus wandere.....

Montag, 17. April    Mong La – Dole 4.050 m                                                                                        Die Bergwelt hat sich heute leider hinter Wolken versteckt. Doch die Sonne scheint und wir gehen beschwingt und gutgelaunt los. Luftlinie müssen wir heute nur rund 2 Kilometer nach Dole (4.060m) zurücklegen. Leider aber auch über 500 Höhenmeter, die es erst mal runter zum Dudh Kosi nach Phunki Thenka (3.500m) geht. In der Nähe des Flusses kommt man sich vor wie in einem Vogelpark. Hunderte von bunten Vögeln fliegen hier umher. Im Wald geht es dann steil nach oben. Wir müssen mehrere Bäche auf Steinen überqueren und auch einige Wasserfälle kreuzen unseren Weg. Am Ende eines steilen Stichweges ändert sich plötzlich die Vegetation. Der Wald ist verschwunden und es gibt nur noch Krüppelgebüsch. Wir haben die 4.000er Marke überschritten! Da der Wald jetzt weg ist, sind auch wieder die Berge zu sehen. Zumindest diejenigen, die nicht von Wolken verdeckt sind. Highlight ist am oberen Talende der schneebedeckte Cho Oyu (8.201m). Der Weg führt jetzt nur noch leicht ansteigend am Hang entlang nach Dole. In unserer Lodge kann ich mein Zimmer noch nicht beziehen, da dieses gerade geputzt wird. Welch Service !! Das Hausmütterchen leert rund einen Liter Wasser auf den Zimmerboden und wischt dann mit einem dreckigen Handtuch, mit dem sie vorher wahrscheinlich das Geschirr abgetrocknet hat, einmal durch. Naja, zumindest hat sie den Deck ordentlich verteilt..... Bei so viel Reinlichkeit beschliesse ich, mich auch mal wieder zu waschen. Obwohl man im Everestgebiet mittlerweile überall eine „Hot Shower“ erhalten kann, lehne ich dies ab. Denn meistens wird hierfür ein Holzfeuer verwendet um das Wasser zu erhitzen. Und Holz ist ein seltenes Gut in den Hochlagen Nepals. Deshalb „dusche“ ich wie die Einheimischen. In Unterwäsche vors Haus und an der Wasserstelle, die meistens aus einem Wasserschlauch besteht, wird die „Katzenwäsche“ vorgenommen.... Am Nachmittag ziehen Nebelschwaden das Tal herauf und schnell reduziert sich die „Fernsicht“ auf wenige Meter. Erst am Abend reisen die Wolken hoch oben wieder teilweise auf und die Bergriesen, die in der untergehenden Sonne glutrot erscheinen, sind immer wieder kurz zu sehen.                                                                                                                  Ich liege schon in meinem Schlafsack als es plötzlich aufs Hausdach trommelt. Es regnet. Aber nach wenigen Minuten hört das Trommeln wieder auf. Beim nächtlichen Toilettengang vors Haus merke ich dann, warum das Trommeln aufgehört hat. Der Regen ist in Schnee übergegangen ! Ich wate durch den Neuschnee zum WC, friere mir fast einen ab und bin froh, als ich wieder in meinem wärmenden Schlafsack bin.

Dienstag, 18. April    Dole – Lafarma 4.350 m                                                                       Es ist bewölkt und es hat rund 20 Zentimeter Neuschnee. Das bisschen Schnee kann uns aber nicht aufhalten und wir gehen weiter aufwärts Richtung Gokyo. Zuerst kommen wir noch ganz gut vorwärts. Aber dann beginnt es wieder zu schneien und ein eisiger Wind stellt sich uns in den Weg. Meine Brille beschlägt jetzt andauernd und ich sehe nichts mehr. Das ständige Abwischen mit den dicken Handschuhen ist lästig, und ich beschließe, die Brille abzunehmen. Wie sich schnell zeigen sollte - keine gute Idee! Nach wenigen Minuten bin ich quasi schneeblind. Jetzt nützt es auch nicht mehr viel, die Brille wieder aufzusetzen..... Allerdings ist meine „Blindheit“ nicht weiter schlimm, denn im dichten Schneetreiben ist eh nichts zu sehen. Und die tiefen Spuren unserer Vorgänger im Neuschnee kann man auch als Blinder nicht verfehlen. Trotzdem bin ich froh, als wir die Lodge in Lafarma (4.350m) erreichen. Diese ist bereits übberfüllt, denn niemand traut sich bei der Wetterlage weiterzugehen. Beim „internationalen Frühschoppen“ wird diskutiert, welche Möglichkeiten man hat. Die meisten wollen weiter, einige wenige gehen zurück. Gumre und ich machen das aus meiner Sicht einzig Vernünftige - wir bleiben. Es stürmt und schneit munter weiter und wir bedauern alle, die jetzt noch drausen unterwegs sind. Wir spielen Schach und heizen den Ofen kräftig mit getrockneter Yakscheiße. Die Lodgebesitzerin ist eifrig bemüht, den Weg zur Toilette immer wieder vom Schnee zu befreien - ein Vorhaben, das nicht so recht gelingen mag. Ich nehme mir schon jetzt (mit Erfolg!!) vor, dass ich heute Nacht nicht raus muss....

Mittwoch, 19. April             Lafarma – Dole 4.050 m                                                               Wir sind eingeschneit und es schneit munter weiter. Wenigstens stürmt es am Morgen nicht mehr. Der Weg vor der Lodge ist nicht mehr zu erkennen. Dort hat es jetzt Schneeverwehung von über einem Meter. Von der Toilettentür müssen wir auch einen knappen halben Meter Schnee wegräumen. Uns bleibt nichts anderes übrig - wir müssen hierbleiben. Kurz vor Mittag dann Aufregung. Von oben kämpft sich eine lange Schlange von Treckern den Hang herunter. Angeführt wird die Gruppe von einem Einheimischen, der sich mit Händen und Füßen durch den Schnee kämpft und für die anderen eine Spur macht. Uns wird berichtet, dass Gokyo komplett eingeschneit ist und dass man weder rauf noch runter kommt. Das ist besonders tragisch, da dort wohl momentan zwei Touris aufgrund der Höhenkrankheit lebensgefährlich erkrankt sind. Wie ich später erfahre, haben beide nicht überlebt, da aufgrund der Wetterlage auch eine Rettung mit dem Helikopter nicht möglich war. Da es wohl keine andere Alternative gibt, schreiben wir Gokyo ab, schließen uns der Schlange an und steigen ab. Schnell habe ich wieder das Problem, dass ich nichts mehr sehe. Dies ist heute wesentlich übler, denn es geht bergab und es ist klatt. Mehrmals rutsche ich aus und lande auf dem Hintern. Solange ich nur nach hinten in die Spur falle ist das nicht weiter schlimm. Aber wenn das mal in die andere Richtung geht ??? Mir ist ehrlich gesagt ziemlich unwohl in meiner Haut und ich komme, obwohl es eigentlich nur nach unten geht, mächtig ins Schwitzen. Gumre merkt wie unwohl ich mich fühle, denn er beleibt immer dicht hinter mir und hält mich fest, wenn ich wieder mal ins Rutschen komme. Ich bin doch sehr erleichtert, als wir wieder in Dole ankommen und in Sicherheit sind. Ich verpenne den ganzen Nachmittag. Schlaftrunken blicke ich am Abend aus dem Fenster und traue meinen Augen nicht. Vor mir breitet sich eine Wintermärchen-Landschaft aus, die von einzelnen Sonnenstrahlen, die ihren Weg durch die Wolken finden, in bizarres Licht getaucht wird. Ich gehe vor die Lodge und sehe die Gipfel der beiden 6.000er Kantega und Thamserku in gleisendes Licht getaucht. Unten im Tal liegt eine dichte Nebelschicht. Die Sonne geht gerade hinter dem namenlosen Hausberg unter und das Lichtspiel, das Sonne und Wolken um seinen Gipfel vollführen, veranlassen mich zig Bilder zu machen.

Donnerstag, 20. April            Dole – Phortse 3.900 m                                                           Das Wintermärchen geht weiter! Blauer Himmel, Sonnenschein und eine einzigartige Schneelandschaft! Allerdings liegen die Temperaturen am Morgen noch weit unter dem Gefrierpunkt und entsprechend vereist sind die „Wege“ im tiefen Schnee. Ich beschließe erst loszugehen, wenn es zu tauen beginnt. Eine kluge Entscheidung wie sich später zeigen sollte.                                                           Bisweilen genießen wir nur die herrliche Aussicht auf die Berge. Wir machen Gruppenfotos mit einigen Yaks, die sich auf dem vereisten Schnee auch unwohl fühlen. Ich bewundere die Sherpas, die ohne Probleme ihre schweren Lasten die vereisten Wege hinuntertragen - und das meistens in Segeltuchschlappen !                                                                                                         Am Nachmittag gehen dann auch wir los. Die Sonne hat ihre Arbeit getan, und die Wege sind nun mehr matschig als eisig. Ich fühle mich im nassen Schnee wesentlich wohler als auf Eis und wir kommen gut vorwärts. Wären da nicht die vielen Photostopps, denn diese wundervolle Winterlandschaft lädt einfach zum Photographieren ein.                                                                                         Als wir schon fast wieder unten im Tal sind, entdeckt Gumre eine Abkürzung. Leider lasse ich mich darauf ein, diese zu „gehen“. Schnell stellt sich heraus, dass dies kein Weg ist sondern dass etwas gekletert werden muss. Im trockenen Zusatnd wÄre das ja noch ok gewesen, aber auch hier hat es noch etwas Schnee und einzelne Passagen sind noch mit Eis überzogen. Auf allen Vieren tasten wir uns lngsam nach unten. Auch Gumre bedauert schnell, dass wir diese „Abkürzung“ genommen haben, denn auch er rutscht mehrmals bedenklich nach unten. Er ist es dann auch, der „abstürzt“. Doch er hat Glück und er kann sich schnell wieder festhalten. Wir sind dann beide froh, dass wir ohne größeren Schaden unten ankommen. Dass wir uns bei der Aktion total eingedreckt haben stört uns momentan wenig. Nach diesem Schrecken gönnen wir uns in Phortse Thenka erst einmal eine Nudelsuppe und lassen uns im Hof der Lodge von der Sonne verwöhnen. Anschließend steigen wir im Wald die 200 Höhenmeter nach Phortse hoch. Plötzlich lautes Geschrei und etwas kommt auf uns zugerasst. Ein Nepali auf Ski rast den engen Weg herunter direkt auf uns zu. Wir können gerade noch zur Seite ausweichen. In Phortse angekommen werden wir von einem Schneeschauer empfangen. Die Sicht beträt kaum noch 20 Meter. Wir kämpfen uns weiter den Hang hoch, denn die Lodges in Phortse liegen am oberen Dorfrand. Wir nehmen die erst beste, an der wir vorbeikommen und landen in der Dorfkneipe. Ums Küchenfeuer sitzen bereits einige Locals, die sich ordentlich Chang einschenken. Wir sind die einzigsten Touris. Aus dem Gettoplaster (mit Lichtorgel!!) scheppert laute Nepalimusik zu der die Jungs den „typical Nepali Dance“ vorführen. Für mich sieht das eher wie betrunkenes Herumtorkeln aus. Am Abend hört es plötzlich auf zu Schneien und innerhalb weniger Momente lässt sich die Sonne wieder blicken. Das ist wie wenn plötzlich ein weißer Vorhang zur Seite gezogen wird. Jetzt liegt wieder die tolle Landschaft vor mir ausgestreckt und die Berge sind wieder zu sehen. Besonders beeindruckend ist das Sonnen-/Wolkenspiel am Thamserku. Der untere Teil des Berges ist die meiste Zeit von Wolken verdeckt und es ragt nur die Bergspitze aus der Wolkensuppe heraus. Um die Spitze bilden sich immer wieder kleine Schäfchenwölkchen, die sich dann irgendwann „in Luft auflösen“. Die Sonne geht jetzt langsam unter und die Berge färben sich langsam orange. Es wird merklich kälter und es wird Zeit ans wärmende Feuer zurückzukehren.

Freitag, 21. April            Phortse – Kenjoma 3.600 m                                                                          Wir steigen heute bei strahlendem Wetter zuerst den Phortse-Hausberg (knapp 4.000m) hoch. Von hier oben hat man eine tolle Aussicht auf die verschneite Bergwelt. Auch das Kloster Tengboche ist auf der anderen Seite des Tales gut zu sehen. Einige Kinder sind mit uns aufgestiegen, die jetzt mit Skiern abfahren. Das Wort „Ski“ ist allerdings etwas Übertrieben. Die Jungs haben sich auf ca. 20 Zentimeter langen Holzscheiten ein Plastikteil genagelt. Diese Teile binden sie sich dann an die Schuhe und ab geht’s den steilen Hang hinunter. Dass sie mehr den Hang hinunterkullern als abfahren scheint sie nicht zu stören. Wir steigen wieder ab und gehen direkt weiter runter nach Phortse Thenka. Den Aufstieg nach Mong La müssen wir in einem Sturzbach vornehmen. Der Schnee schmilzt jetzt so stark, dass wahre Wassermassen den Berg herunterkommen. Aber was sind schon nasse Füße ???             Wir geniessen nochmals die tolle Aussicht von Mong La und wandern dann weiter nach Kenjoma zu meiner Freundin Ang Tashi. Nachts werde ich mehrmals geweckt, da Kurt vom DAV-Summit-Club seinem Zimmerkollegen mehrmals lautstark verkündet, dass er Scheißerei hat.....

Samstag, 22. April            Kenjoma – Namche 3.450 m                                                       Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Ang Tashis Familie machen wir uns auf den kurzen Rückweg nach Namche. Aus dem Garten der Lodge verabschiedet uns ein Danphe, der pfauenähnliche Nationalvogel Nepals, mit lautem Geschrei. Kurz vor Namche erhaschen wir nochmals letzte Blicke auf die Bergriesen Everest, Lhotse, Nuptse und den schönen Ama Dablam. In Namche gönnen wir uns eine warme Dusche und verbringen einen verregneten Nachmittag in der Lodge.

Montag, 23. April            Namche – Phakding 2.550 m                                                                       Wie üblich verläuft der steile Abstieg nach Monjo ziemlich ereignislos. Die Knie halten und mir fällt auf, dass das schlechte Wetter der Vortage den blühenden Rhododendronbäumen mächtig zugesetzt hat. Außerdem fällt mir auf, dass heute viele Dicke unterwegs sind. Und ich dachte immer, ich wäre der einzigste Ü100-Mann im Everest....... Am Abend spielen wir wieder Snooker in Phakding und treffen wieder Kurt, der wohl noch immer die Scheißerei hat.

Dienstag, 24. April            Phakding – Lukhla  2.800 m                                                           Bei durchwachsenem Wetter wandern wir nach Lukhla. Da wir heute viel Zeit haben machen wir des Öfteren Rast und unterhalten uns mit den Locals. Viele sind beunruhigt, denn für morgen ist wohl ein „Generalstreik“ angesagt, an dem über eine Million Nepalis in Kathmandu auf die Straßen gebracht werden sollen, obwohl bereits jetzt eine Ausgangssperre ausgesprochen wurde.                            Da bin ich ja mal gespannt, wie das mit unserem Rückflug klappt.                                                   Eine böse Überraschung erleben wir in Ghat. Hier hat ein Blitzeinschlag dafür gesorgt, dass sechs Häuser abgebrannt sind. In der Himalayan Lodge in Lukhla treffen wir meinen alten Kumpel Hans Kammerlander, der auf dem Weg zur Jasemba-Erstbesteigung ist.                                            Mitten in der Nacht dann lautes Geschrei. Der König hat seinen Rückzug bekanntgegeben!!! Die Locals sind begeistert und feiern....

Mittwoch, 25. April                                                                                                           Bei schönsten Wetter fliegen wir zurück nach Kathmandu. Die Himalayaberge ziehen nochmals an uns vorbei bevor es dann wieder ins diesige Kathmandutal hinuntergeht.