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Donnerstag, 13.
April
Lukhla – Phakding
2.550 m
Ich fliege nach Lukhla ins Everestgebiet. Begleitet werde ich von Gumre,
dem Onkel meiner Patenkinder. Er war noch nie am Everest und somit haben wir
wieder die nette Konstellation, dass er mein Träger ist und ich sein Guide.
Außerdem ist Gumre noch nie geflogen. Entsprechend ängstlich klammert er
sich an die Sitzlehne. Die Turbulenzen, die an diesem wolkenlosen Morgen
auftreten, tragen auch nicht zu seinem Wohlbefinden bei. Ich genieße
mittlerweile die tolle Aussicht auf die Himalaya-Berge. Am Lukhla-Airport
herrscht das übliche Durcheinander. Hier landen und starten innerhalb weniger
Minuten einige Maschienen und alles geht drunter und drüber. Nachdem ich
meinen Rucksack gefunden habe, ziehe ich mich in die angenehme Himalaya Lodge
zum Frühstücken zurück.
Endlich erwische ich auch mal bei der ersten, kurzen
Tagesetappe nach Phakding tolles Wetter. Die schneebedeckten 5- und
6-Tausender glitzern in der Sonne. Verdreckte Kinder spielen auf den staubigen
Wegen Fußball. In Ghat (2.500m) wird ein Baby im Bach gewaschen. Daneben
sitzen Frauen, die sich ihr langes, schwarzes Haar kämmen. Kurz vor Phakding
(2.600 m) dann Aufregung. Einige völlig vermummte Gestalten warnen uns -
Bienenalarm !! Gumre wirft sich sofort seine Jacke über den Kopf und
empfiehlt mir, das gleiche zu tun. Ich gehe aber einfach weiter. Zurecht –
denn die paar Bienchen sind nun wirklich kein Grund zur Panikmache. Obwohl es
sich doch schon um recht große Brummer handelt.... Am Abend spiele ich mit
Gumre Snooker. Der Tisch wurde übrigens mit dem Helikopter nach Phakding
gebracht ! Anschließend ist eine Silvesterfete in der Küche unserer Lodge
angesagt, denn morgen ist Nepali New Year. Chang, dieses milchige,
selbstgebraute Bier, fliesst in Strömen. Es wird gesungen und getanzt. Wie
schon befürchtet, muss ich ein typisches deutsches Lied vortragen. Ich geife
auf das bewährte „Oh Tannenbaum“ zurück. Als die Jungs auf Rakshi, einen
Reisschnaps und Kukuri-Rum umsteigen, ziehe ich mich zurück.
Freitag, 14. April
Phakding – Namche Bazzar 3.450 m
Auch hier in den Bergen sind Auswirkungen des Streiks zu spüren. Es gibt
keinen Toast und auch keinen
Tomaten und Zwiebeln. Somit gibt es zum Frühstück „Omlette pur“. Dafür
entschädigt das Wetter. Es ist wolkenlos und bereits am frühen Morgen ist es
angenhem warm. Wir wandern am Dudh-Kosi entlang durch Rhododendron-Wälder.
Einzelne Bäume stehen schon voll in der Blüte und bieten uns vereinzelt
blutrote Durchgänge. Auch die vielen Vögel genießen die Morgensonne und ein
schwarzer Vogel mit rotem Schwanz begleitet uns über eine Stunde. Mehrmals müssen
wir den Fluss auf großen Stahlbrücken überqueren. Das ist gar nicht so
einfach, denn die vollbeladenen Yaks haben „Vorfahrt“. In Monjo (2.800m)
stärken wir uns für den langen Anstieg nach Namche Bazaar (3.450m), denn es
gibt hier immer noch keinen Sessellift ! Erstes „Hindernis“ ist die
Hillary Bridge, die in 85 Meter Höhe über die Einmündung des Bote Kosi in
den Dudh Kosi führt. Der Blick von der mit Gebetsfahnen geschmückten Brücke
runter ins Tal ist Klasse. Und heute rentiert auch ein Blick das Tal hinauf,
denn dort sind aufgrund des wolkenlosen Himmels bereits die ersten „Ausläufer“
der Achttausender zu sehen. Doch wir können nicht lange verweilen. Ein
scharfer Wind weht uns fast die Mützen vom Kopf und außerdem ist auch schon
wieder eine Yakherde im Anmarsch… Jetzt kommt das steilste Stück der
Strecke. In unzähligen Kehren geht es auf einem staubigen Weg steil nach
oben. Viele in den Fels gehauene , ungleich hohe Treppenstufen machen einen
gleichmäßigen Tritt unmöglich. An einem Rastplatz ist hinter Tannen zum
ersten mal in der Ferne der Everest zu sehen. Über seinem Gipfel hängt der
typische Wolkenschweif. Wir werden von einer Gruppe Sherpas überholt. Erst
bei genauerem hinsehen fällt mir auf, dass diese Fleischteile den Berg
hochtragen. Teile von Wasserbüffeln, die den Touris dann als „Yak-Steaks“
verkauft werden. Die Fleischteile sind natürlich nicht irgendwie hygienisch
verpackt sondern liegen „natura“ in den Körben der Träger. Na dann –
Mahlzeit !! Die
rund 150 großen Steinhäuser von Namche Bazaar sind mit ihren farbenfrohen
Wellblechdächern in einem Halbkreis in den Hang gebaut. Die Höhenangabe von
3.450 m ist deshalb auch mit Vorsicht zu genießen, denn der Ort erstreckt
sich mit Sicherheit über mehr als 100 Höhenmeter…
Samstag, 15. April
Namche Bazzar
Heute ist Ruhe- und Aklimatisationstag in Namche angesagt. Die Zeit verbringen
wir mit Würfeln und dem Besuch des Samstags-Marktes. Hier wird auf kleinstem
Raum alles veilgeboten, was man sich so vorstellen kann. Und natürlich alles
„gut durchorganisiert und ohne Chaos“. Highlight ist heute eine Lotterie,
bei dem es als Hauptpreis einen Fernseher zu gewinnen gibt. Das Los kostet 200
Ruppees – immerhin ungefähr der Tagesverdienst eines Sherpas! Das Büffelfleisch,
das gestern heraufgetragen wurde, kann man jetzt hier käuflich erwerben.
Immerhin nicht im Staub liegend sondern in einem „Metzgerhaus“, in dem es
unangenehm richt.
Sonntag, 16. April
Namche Bazzar – Mong La 3.950 m
Zum „Warmlaufen“ geht es heute gleich mal 150 Höhenmeter nach oben. Zur
Belohnung gibt es normalerweise ein einzigartiges Bergpanorama zu sehen.
Everest, Lohtse, Nuptse und der Ama Dablam. Aber die Achttausender sind von
Wolken verdeckt und „nur“ der kirchenähnliche Ama Dablam ist zu sehen.
Eine herbe Enttäuschung erleben wir in Kenjoma bei meiner Freundin Ang Tahsi.
Die „Dusche mit der weltbesten Aussicht“ (nämlich auf die oben
beschriebenen Berge) ist weg. An ihrer Stelle baut Ang Tashi jetzt einen
Speisesaal mit Sonnendach. Nach dem obligatorischen Freundschaftstee gehen wir
weiter nach Mong La (3.960m). Der Weg führt steil am Hang nach oben. Viele
hundert Meter weiter unten bahnt sich der Dudh Kosi seinen Weg ins Tal. Trotz
der Entfernung ist das Grollen der Wassermassen zu hören. Zwei Lämmergeier
ziehen über uns ihre Kreise. Eine Herde Thar (Rotwild) zieht quer den Hang
hinauf. Auf der anderen Talseite ist das Kloster Tengboche (3.950m) zu sehen.
Mong La besteht aus 3 Häusern und einem Chorten und liegt auf einem kleinen
Bergvorsprung. Auf 3 Seiten geht es steil bergab. Obwohl es etwas bewölkt
ist, ist die Aussicht von hier oben atemberaubend. In einer der Lodges hat es
Nachwuchs gegeben und deshalb zelebrieren 3 Mönche eine Punja-Zeremonie. Das
ständige „Ommm“ ist beruhigend und auch einschläfernd. Wir beschließen
hierzubleiben und nutzen das „Gute Nacht-Lied“ der Mönche für ein
Mittagsschläfchen... Ich werde durch laute Schläge aufs Hausdach geweckt. Es
windet stark und das Wellblechdach scheppert. Dafür haben sich jetzt die
Wolken fast komplett zurückgezogen und die Bergwelt leuchtet feuerrot im
Licht der Abendsonne. Doch schnell fällt die Sonne hinter einem Bergrücken
hinunter und es wird dunkel und ziemlich kalt. Die Kälte fällt mir vor allem
in der Nacht auf, als ich zur Toilette vors Haus wandere.....

Montag, 17. April
Mong La – Dole 4.050 m
Die Bergwelt hat sich heute leider hinter Wolken versteckt. Doch
die Sonne scheint und wir gehen beschwingt und gutgelaunt los. Luftlinie müssen
wir heute nur rund 2 Kilometer nach Dole (4.060m) zurücklegen. Leider aber
auch über 500 Höhenmeter, die es erst mal runter zum Dudh Kosi nach Phunki
Thenka (3.500m) geht. In der Nähe des Flusses kommt man sich vor wie in einem
Vogelpark. Hunderte von bunten Vögeln fliegen hier umher. Im Wald geht es
dann steil nach oben. Wir müssen mehrere Bäche auf Steinen überqueren und
auch einige Wasserfälle kreuzen unseren Weg. Am Ende eines steilen Stichweges
ändert sich plötzlich die Vegetation. Der Wald ist verschwunden und es gibt
nur noch Krüppelgebüsch. Wir haben die 4.000er Marke überschritten! Da der
Wald jetzt weg ist, sind auch wieder die Berge zu sehen. Zumindest diejenigen,
die nicht von Wolken verdeckt sind. Highlight ist am oberen Talende der
schneebedeckte Cho Oyu (8.201m). Der Weg führt jetzt nur noch leicht
ansteigend am Hang entlang nach Dole. In unserer Lodge kann ich mein Zimmer
noch nicht beziehen, da dieses gerade geputzt wird. Welch Service !! Das Hausmütterchen
leert rund einen Liter Wasser auf den Zimmerboden und wischt dann mit einem
dreckigen Handtuch, mit dem sie vorher wahrscheinlich das Geschirr
abgetrocknet hat, einmal durch. Naja, zumindest hat sie den Deck ordentlich
verteilt..... Bei so viel Reinlichkeit beschliesse ich, mich auch mal wieder
zu waschen. Obwohl man im Everestgebiet mittlerweile überall eine „Hot
Shower“ erhalten kann, lehne ich dies ab. Denn meistens wird hierfür ein
Holzfeuer verwendet um das Wasser zu erhitzen. Und Holz ist ein seltenes Gut
in den Hochlagen Nepals. Deshalb „dusche“ ich wie die Einheimischen. In
Unterwäsche vors Haus und an der Wasserstelle, die meistens aus einem
Wasserschlauch besteht, wird die „Katzenwäsche“ vorgenommen.... Am
Nachmittag ziehen Nebelschwaden das Tal herauf und schnell reduziert sich die
„Fernsicht“ auf wenige Meter. Erst am Abend reisen die Wolken hoch oben
wieder teilweise auf und die Bergriesen, die in der untergehenden Sonne
glutrot erscheinen, sind immer wieder kurz zu sehen.
Ich liege schon in meinem Schlafsack als es plötzlich aufs Hausdach trommelt.
Es regnet. Aber nach wenigen Minuten hört das Trommeln wieder auf. Beim nächtlichen
Toilettengang vors Haus merke ich dann, warum das Trommeln aufgehört hat. Der
Regen ist in Schnee übergegangen ! Ich wate durch den Neuschnee zum WC,
friere mir fast einen ab und bin froh, als ich wieder in meinem wärmenden
Schlafsack bin.

Dienstag, 18.
April Dole – Lafarma
4.350 m
Es ist bewölkt und es hat rund 20 Zentimeter Neuschnee. Das bisschen Schnee
kann uns aber nicht aufhalten und wir gehen weiter aufwärts Richtung Gokyo.
Zuerst kommen wir noch ganz gut vorwärts. Aber dann beginnt es wieder zu
schneien und ein eisiger Wind stellt sich uns in den Weg. Meine Brille beschlägt
jetzt andauernd und ich sehe nichts mehr. Das ständige Abwischen mit den
dicken Handschuhen ist lästig, und ich beschließe, die Brille abzunehmen.
Wie sich schnell zeigen sollte - keine gute Idee! Nach wenigen Minuten bin ich
quasi schneeblind. Jetzt nützt es auch nicht mehr viel, die Brille wieder
aufzusetzen..... Allerdings ist meine „Blindheit“ nicht weiter schlimm,
denn im dichten Schneetreiben ist eh nichts zu sehen. Und die tiefen Spuren
unserer Vorgänger im Neuschnee kann man auch als Blinder nicht verfehlen.
Trotzdem bin ich froh, als wir die Lodge in Lafarma (4.350m) erreichen. Diese
ist bereits übberfüllt, denn niemand traut sich bei der Wetterlage
weiterzugehen. Beim „internationalen Frühschoppen“ wird diskutiert,
welche Möglichkeiten man hat. Die meisten wollen weiter, einige wenige gehen
zurück. Gumre und ich machen das aus meiner Sicht einzig Vernünftige - wir
bleiben. Es stürmt und schneit munter weiter und wir bedauern alle, die jetzt
noch drausen unterwegs sind. Wir spielen Schach und heizen den Ofen kräftig
mit getrockneter Yakscheiße. Die Lodgebesitzerin ist eifrig bemüht, den Weg
zur Toilette immer wieder vom Schnee zu befreien - ein Vorhaben, das nicht so
recht gelingen mag. Ich nehme mir schon jetzt (mit Erfolg!!) vor, dass ich
heute Nacht nicht raus muss....

Mittwoch, 19.
April
Lafarma – Dole 4.050 m
Wir sind eingeschneit und es schneit munter weiter. Wenigstens stürmt es am
Morgen nicht mehr. Der Weg vor der Lodge ist nicht mehr zu erkennen. Dort hat
es jetzt Schneeverwehung von über einem Meter. Von der Toilettentür müssen
wir auch einen knappen halben Meter Schnee wegräumen. Uns bleibt nichts
anderes übrig - wir müssen hierbleiben. Kurz vor Mittag dann Aufregung. Von
oben kämpft sich eine lange Schlange von Treckern den Hang herunter. Angeführt
wird die Gruppe von einem Einheimischen, der sich mit Händen und Füßen
durch den Schnee kämpft und für die anderen eine Spur macht. Uns wird
berichtet, dass Gokyo komplett eingeschneit ist und dass man weder rauf noch
runter kommt. Das ist besonders tragisch, da dort wohl momentan zwei Touris
aufgrund der Höhenkrankheit lebensgefährlich erkrankt sind. Wie ich später
erfahre, haben beide nicht überlebt, da aufgrund der Wetterlage auch eine
Rettung mit dem Helikopter nicht möglich war. Da es wohl keine andere
Alternative gibt, schreiben wir Gokyo ab, schließen uns der Schlange an und
steigen ab. Schnell habe ich wieder das Problem, dass ich nichts mehr sehe.
Dies ist heute wesentlich übler, denn es geht bergab und es ist klatt.
Mehrmals rutsche ich aus und lande auf dem Hintern. Solange ich nur nach
hinten in die Spur falle ist das nicht weiter schlimm. Aber wenn das mal in
die andere Richtung geht ??? Mir ist ehrlich gesagt ziemlich unwohl in meiner
Haut und ich komme, obwohl es eigentlich nur nach unten geht, mächtig ins
Schwitzen. Gumre merkt wie unwohl ich mich fühle, denn er beleibt immer dicht
hinter mir und hält mich fest, wenn ich wieder mal ins Rutschen komme. Ich
bin doch sehr erleichtert, als wir wieder in Dole ankommen und in Sicherheit
sind. Ich verpenne den ganzen Nachmittag. Schlaftrunken blicke ich am Abend
aus dem Fenster und traue meinen Augen nicht. Vor mir breitet sich eine
Wintermärchen-Landschaft aus, die von einzelnen Sonnenstrahlen, die ihren Weg
durch die Wolken finden, in bizarres Licht getaucht wird. Ich gehe vor die
Lodge und sehe die Gipfel der beiden 6.000er Kantega und Thamserku in
gleisendes Licht getaucht. Unten im Tal liegt eine dichte Nebelschicht. Die
Sonne geht gerade hinter dem namenlosen Hausberg unter und das Lichtspiel, das
Sonne und Wolken um seinen Gipfel vollführen, veranlassen mich zig Bilder zu
machen.

Donnerstag, 20.
April
Dole – Phortse 3.900 m
Das Wintermärchen geht weiter! Blauer Himmel, Sonnenschein und eine
einzigartige Schneelandschaft! Allerdings liegen die Temperaturen am Morgen
noch weit unter dem Gefrierpunkt und entsprechend vereist sind die „Wege“
im tiefen Schnee. Ich beschließe erst loszugehen, wenn es zu tauen beginnt.
Eine kluge Entscheidung wie sich später zeigen sollte.
Bisweilen genießen wir nur die herrliche Aussicht auf die Berge. Wir machen
Gruppenfotos mit einigen Yaks, die sich auf dem vereisten Schnee auch unwohl fühlen.
Ich bewundere die Sherpas, die ohne Probleme ihre schweren Lasten die
vereisten Wege hinuntertragen - und das meistens in Segeltuchschlappen !
Am Nachmittag gehen dann auch wir los. Die Sonne hat ihre Arbeit getan, und
die Wege sind nun mehr matschig als eisig. Ich fühle mich im nassen Schnee
wesentlich wohler als auf Eis und wir kommen gut vorwärts. Wären da nicht
die vielen Photostopps, denn diese wundervolle Winterlandschaft lädt einfach
zum Photographieren ein.
Als wir schon fast wieder unten im Tal sind, entdeckt Gumre eine Abkürzung.
Leider lasse ich mich darauf ein, diese zu „gehen“. Schnell stellt sich
heraus, dass dies kein Weg ist sondern dass etwas gekletert werden muss. Im
trockenen Zusatnd wÄre das ja noch ok gewesen, aber auch hier hat es noch
etwas Schnee und einzelne Passagen sind noch mit Eis überzogen. Auf allen
Vieren tasten wir uns lngsam nach unten. Auch Gumre bedauert schnell, dass wir
diese „Abkürzung“ genommen haben, denn auch er rutscht mehrmals
bedenklich nach unten. Er ist es dann auch, der „abstürzt“. Doch er hat
Glück und er kann sich schnell wieder festhalten. Wir sind dann beide froh,
dass wir ohne größeren Schaden unten ankommen. Dass wir uns bei der Aktion
total eingedreckt haben stört uns momentan wenig. Nach diesem Schrecken gönnen
wir uns in Phortse Thenka erst einmal eine Nudelsuppe und lassen uns im Hof
der Lodge von der Sonne verwöhnen. Anschließend steigen wir im Wald die 200
Höhenmeter nach Phortse hoch. Plötzlich lautes Geschrei und etwas kommt auf
uns zugerasst. Ein Nepali auf Ski rast den engen Weg herunter direkt auf uns
zu. Wir können gerade noch zur Seite ausweichen. In Phortse angekommen werden
wir von einem Schneeschauer empfangen. Die Sicht beträt kaum noch 20 Meter.
Wir kämpfen uns weiter den Hang hoch, denn die Lodges in Phortse liegen am
oberen Dorfrand. Wir nehmen die erst beste, an der wir vorbeikommen und landen
in der Dorfkneipe. Ums Küchenfeuer sitzen bereits einige Locals, die sich
ordentlich Chang einschenken. Wir sind die einzigsten Touris. Aus dem
Gettoplaster (mit Lichtorgel!!) scheppert laute Nepalimusik zu der die Jungs
den „typical Nepali Dance“ vorführen. Für mich sieht das eher wie
betrunkenes Herumtorkeln aus. Am Abend hört es plötzlich auf zu Schneien und
innerhalb weniger Momente lässt sich die Sonne wieder blicken. Das ist wie
wenn plötzlich ein weißer Vorhang zur Seite gezogen wird. Jetzt liegt wieder
die tolle Landschaft vor mir ausgestreckt und die Berge sind wieder zu sehen.
Besonders beeindruckend ist das Sonnen-/Wolkenspiel am Thamserku. Der untere
Teil des Berges ist die meiste Zeit von Wolken verdeckt und es ragt nur die
Bergspitze aus der Wolkensuppe heraus. Um die Spitze bilden sich immer wieder
kleine Schäfchenwölkchen, die sich dann irgendwann „in Luft auflösen“.
Die Sonne geht jetzt langsam unter und die Berge färben sich langsam orange.
Es wird merklich kälter und es wird Zeit ans wärmende Feuer zurückzukehren.


Freitag, 21. April
Phortse – Kenjoma 3.600 m
Wir steigen heute bei strahlendem Wetter zuerst den Phortse-Hausberg
(knapp 4.000m) hoch. Von hier oben hat man eine tolle Aussicht auf die
verschneite Bergwelt. Auch das Kloster Tengboche ist auf der anderen Seite des
Tales gut zu sehen. Einige Kinder sind mit uns aufgestiegen, die jetzt mit
Skiern abfahren. Das Wort „Ski“ ist allerdings etwas Übertrieben. Die
Jungs haben sich auf ca. 20 Zentimeter langen Holzscheiten ein Plastikteil
genagelt. Diese Teile binden sie sich dann an die Schuhe und ab geht’s den
steilen Hang hinunter. Dass sie mehr den Hang hinunterkullern als abfahren
scheint sie nicht zu stören. Wir steigen wieder ab und gehen direkt weiter
runter nach Phortse Thenka. Den Aufstieg nach Mong La müssen wir in einem
Sturzbach vornehmen. Der Schnee schmilzt jetzt so stark, dass wahre
Wassermassen den Berg herunterkommen. Aber was sind schon nasse Füße ???
Wir geniessen nochmals die tolle Aussicht von Mong La und wandern dann weiter
nach Kenjoma zu meiner Freundin Ang Tashi. Nachts werde ich mehrmals geweckt,
da Kurt vom DAV-Summit-Club seinem Zimmerkollegen mehrmals lautstark verkündet,
dass er Scheißerei hat.....
Samstag, 22. April
Kenjoma – Namche 3.450 m
Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Ang Tashis Familie machen wir uns auf
den kurzen Rückweg nach Namche. Aus dem Garten der Lodge verabschiedet uns
ein Danphe, der pfauenähnliche Nationalvogel Nepals, mit lautem Geschrei.
Kurz vor Namche erhaschen wir nochmals letzte Blicke auf die Bergriesen
Everest, Lhotse, Nuptse und den schönen Ama Dablam. In Namche gönnen wir uns
eine warme Dusche und verbringen einen verregneten Nachmittag in der Lodge.
Montag, 23. April
Namche – Phakding 2.550 m
Wie üblich verläuft der steile Abstieg nach Monjo ziemlich ereignislos.
Die Knie halten und mir fällt auf, dass das schlechte Wetter der Vortage den
blühenden Rhododendronbäumen mächtig zugesetzt hat. Außerdem fällt mir
auf, dass heute viele Dicke unterwegs sind. Und ich dachte immer, ich wäre
der einzigste Ü100-Mann im Everest....... Am Abend spielen wir wieder Snooker
in Phakding und treffen wieder Kurt, der wohl noch immer die Scheißerei hat.
Dienstag, 24.
April
Phakding – Lukhla 2.800 m
Bei durchwachsenem Wetter wandern wir nach Lukhla. Da wir heute viel Zeit
haben machen wir des Öfteren Rast und unterhalten uns mit den Locals. Viele
sind beunruhigt, denn für morgen ist wohl ein „Generalstreik“ angesagt,
an dem über eine Million Nepalis in Kathmandu auf die Straßen gebracht
werden sollen, obwohl bereits jetzt eine Ausgangssperre ausgesprochen wurde.
Da bin ich ja mal gespannt, wie das mit unserem Rückflug klappt.
Eine böse Überraschung erleben wir in Ghat. Hier hat ein Blitzeinschlag dafür
gesorgt, dass sechs Häuser abgebrannt sind. In der Himalayan Lodge in Lukhla
treffen wir meinen alten Kumpel Hans Kammerlander, der auf dem Weg zur
Jasemba-Erstbesteigung ist.
Mitten in der Nacht dann lautes Geschrei. Der König hat seinen Rückzug
bekanntgegeben!!! Die Locals sind begeistert und feiern....
Mittwoch, 25.
April
Bei schönsten Wetter fliegen wir zurück nach Kathmandu. Die Himalayaberge
ziehen nochmals an uns vorbei bevor es dann wieder ins diesige Kathmandutal
hinuntergeht.
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