|
 |
Tamang
Heritage Trail im Langtang-Nationalpark im Mai 2009
Hier
zusammengefasst ein paar Infos zu diesem Trail. Die Daten wurden übrigens
freundlicherweise von Herrn Bartmann vom sächsischen Landesamt für Statistik
zur Verfügung gestellt.
-
Touris:
einer
-
Freundliche
Nepalesen: tausende
-
Yaks:
wenige
-
angriffslustige
Hunde: viele
-
Lodges:
basic
-
Toiletten:
very basic bis nicht vorhanden (die 3 Jungs hätten 5 Tage lang
nicht geschissen)
-
Verpflegung
/ Menue: Dhal Bhat hemmer
gestern ghet, Dhal Bhat hemmer heud; Dhalt Bhat hemmer immer ghet, mei was
is des für a Freud......
-
Höhenmeter:
etwas zu viele
-
Wetter:
toll – aber für die Aufstiege war es zu warm
-
Tagesbudget:
nicht nennenswert
.jpg) .JPG) .JPG)
Kathmandu
– Syabru Besi (1.460m)
Um 7 Uhr bin ich am Busbahnhof für die Busse ins Langtang-Gebiet.
Herumlungernde Kinder, missmutige Erwachsene, Hunde, Hühner und
altersschwache Busse. Und einer von denen wird mein Luxusbus sein!
Der Bus ist leicht überfüllt. Zum Glück habe ich eine
Sitzplatzreservierung. Doch leider passe ich in diesen Sitz nicht rein.
Zumindest nicht, ohne mir die Beine abzuschneiden. Ich tausche mit einem
freundlichen Nepalesen und sitze jetzt in der letzten Reihe in der Mitte des
Busses. Und habe somit Platz um meine Füße auszustrecken. Schnell merke ich
aber, weshalb der Nepalese so freundlich seinen „Schleudersitz“ zur Verfügung
gestellt hat. Der Bus fährt an und bremst nach ein paar Meter wieder scharf
ab – und ich fliege durch den halben Bus! Ich muss mich festhalten. Einzige
Möglichkeit ist die Eisenstange zwischen meinen Füssen, die als
Sitzhalterung dient. Nach ein paar Minuten tun mit der Hintern, mein Kreuz und
auch meine verkrampften Hände weh. Aber die 132 km lange Fahrt soll ja nur 8
bis 10 Stunden dauern....
Bisher sitzen
wir zu viert auf den beiden unbequemen hinteren Sitzbänken. Doch noch bevor
wir das Stadtzentrum von Kathmandu richtig verlassen, steigen noch zig
Personen zu. Nachdem nun wirklich niemand mehr in den Bus passt fahren wir los
– um nach 100 Meter mit quitschenden Reifen wieder zu halten damit sich
nochmals rund 20 Personen in bzw. auf den Bus zwängen können. Wir
sitzen jetzt zu sechst auf den Rückbänken. Das hat auch einen Vorteil: Wir
sitzen so eng aufeinander, dass jetzt keiner mehr abheben kann…. Nach einer
Stunde kotzt zwei Sitzreihen vor mir einer aus dem Fenster. Die Brühe
verteilt sich sehr geschmackvoll auf den dahinter liegenden Scheiben.… Der
ältere Herr links von mir schläft an meiner Schulter und der Dicke rechts
von mir bohrt mir seinen Ellbogen in den Magen. Berührungsängste darf man in
diesem Bus wirklich nicht haben. Wenigstens fahren keine stinkenden Hühner
mit. Dafür steigt aber in Betrawati eine Ziege zu….
Die Strecke führt über einen Pass (2.100 m) aus dem Kathmandutal heraus
hinunter nach Trisuli Bazar (540 m). Die einspurige Strecke ist ‘einigermaßen’
geteert. Bei Gegenverkehr machen die Fahrer die unmöglichsten Ausweichmanöver.
Den Rückwärtsgang scheint hier niemand zu kennen. Während
der Mittagspause in Trisuli wird der Plattfuß repariert, den wir uns kurz
vorher mit einem lauten Knall eingehandelt haben. Mit abgefahrenen Reifen geht
es dann weiter auf das zweite Teilstück nach Dunche (2.030m) und Syabru Besi
(1.460m). Die “Straße” ist jetzt nur noch eine mit vielen Schlaglöchern
versehene, staubige Schotterpiste. Die knapp 40 Grad im Schatten tragen nicht
gerade zu meinem Wohlbefinden bei. Die Aircondition im Bus ist leider
auch ausgefallen… Dann geht es aber in vielen Kehren den Berg hoch und auf
2.000 Meter sind die Temperaturen auch wieder erträglich. Dafür spielt sich
nun vor meinem inneren Auge das Horrorszenario ab, dass der Bus ins tiefe Tal
hinunterstürzt – bei der Fahrweise unseres „Drivers“ und den „Straßenverhältnissen“
ist das gar nicht so ganz ausgeschlossen.
.JPG) .JPG) .JPG) .JPG)
Syabru
Besi – Gatlang (2.240m)
Der
heutige Trekkingtag beginnt mit einer Bergwertung. Gleich hinter unserer Lodge
biegen Dawa und ich auf einen schmalen Weg, der steil nach oben führt. Wir könnten
auch der „Straße“ folgen, die sich in vielen Kehren nach oben schlängelt.
Aber wir sind ja sportlich und nehmen die direkte und somit steile Abkürzung.
Mit jedem Höhenmeter wird die Aussicht hinunter ins Tal und auf die
umliegenden Gebirgszüge spektakulärer. Obwohl wir uns hier nur auf knapp
2.000 Meter Höhe befinden, liegt das Ganesh Himal-Gebirge und das
Langtang-Gebirge mit ihren 5- und 6-Tausendern in unmittelbarer Umgebung. Höchste
Erhebung ist der Langtang Lirung mit 7.225m, der sich momentan aber noch
hinter der Schneespitze vom Langtang II (6.561m) versteckt. Nach
knapp zwei Stunden Aufstieg erreichen wir die Passhöhe auf ca. 2.200 Meter.
In einer heruntergekommenen Lodge legen wir eine erste Rast ein. Verlumpte
Kinder kommen angerannt und betrachten mich, als ob sie noch nie einen Touri
gesehen haben. Sie berühren meine „weiße“ Haut und spielen mit dem Reißverschluss
an meiner Zipphose. Dawa verteilt Cashewnüsse, die sie ohne ein „Danke schön“
mit ihren dreckigen Fingern essen.
Vor
uns breitet sich ein fruchtbares Tal aus. Tief unten ist die Fahrspur zu
erkennen, die von hier oben hinunter nach Thangmachet (1.470m) führt. Täglich
verkehrt hier einmal ein Bus… Wir
laufen auf der „Straße“ nach Somdang weiter am Hang entlang. Wann ist auf
dieser Holperpiste wohl zuletzt mal ein Fahrzeug gefahren?
In der
prallen Sonne steigen wir weiter nach Godam (2.436m) auf. Leider bekommen wir
hier nichts zu essen. Außer einem Wasserhahn mit rostigem Wasser gibt es hier
nichts. Deshalb gehen wir weiter zu unserem Tagesziel nach Gatlang (2.238m).
Dieser Ort liegt malerisch in den Hang gebaut. Die Steinhäuser liegen eng
beieinander und sind alle mit schwarzen Steinschindeln gedeckt. Kinder kommen
uns entgegen gerannt und begrüßen uns fröhlich. Vor den Häusern sitzen
alte Frauen mit Webstühlen im Schatten. Gackernde Hühner bewachen ihre Küken.
Die „Community-Lodge“, die einzige Übernachtungsmöglichkeit im Ort, ist
verschlossen. Aber kein Problem – ein paar Kinder holen den Schlüssel. Übernachtet
wird in einem „Schlafsaal“, in dem 3 Matratzen auf dem Boden liegen. Das
Dorf hat 35 Toiletten und 12 Wassermühlen – wenn man dem Dorfplan an unserer Lodge glauben darf…
Allerdings ist es wohl so, dass wenig Exkremente vor dem Haus darauf
hindeuten, dass die Bewohner nichts zum Essen haben und somit arm sind. Und
deshalb scheißen (zumindest die älteren Bewohner) weiterhin vors Haus….
Am Abend
treffen sich die Kinder des Ortes auf dem „Gemeindeplatz“ vor der Lodge
zum Spielen. Rund 25 Kinder toben herum, singen und es ist wirklich
verwunderlich, dass es über 2 Stunden dauert, bis es zum ersten mal Streit
gibt. Die Kids spielen so etwas ähnliches wie Schenkelbatschen
– einem Kind werden die Augen zugehalten, während ein anderes Kind mit
einem Strauß Brennnesseln auf den Oberarm des Blinden schlägt. Und der darf
dann erraten, wer es war…… Ein junger Nepalese spricht mich auf deutsch
an. Seine „Mutter“ (Sponsorin) ist Deutsche und er will unbedingt nach
Deutschland. Denn Deutschland ist das Paradies !!! Und was er dafür tun muss
um ein „Working Visa“ zu erhalten….. Wie so viele glaubt dieser junge
Mann, dass bei uns die Geldnoten auf den Bäumen wachsen und man so mal eben
nach Deutschland geht um sich einen goldenen Hintern zu verdienen. Dass
Schwarzarbeit verboten ist und die Lebenshaltungskosten bei uns etwas höher
als in Nepal sind, will niemand wissen. Ich empfehle ihm (wie jedem anderen
auch): Heirate doch einfach eine Deutsche..... Am
Abend geht ein Gewitter über dem Dorf nieder. Es donnert und taghelle Blitze
zaubern bizarre Lichtspiele über dem ansonsten pechschwarzen Tal.
.JPG) .JPG) .JPG)
Gatlang
– Thangbochet (1.738 m) – Tadopani
Mit
dem ersten Tageslicht (um ca. 5 Uhr) wird es laut. Mehrere Frauen entfernen
schnatternd Unkraut von einem Kartoffelfeld. Wir haben blauen Himmel und die
Sonne zieht langsam den Hang herunter und erreicht schließlich den Ort. Die
umliegenden Bergspitzen sind weiß – es hat heute Nacht da oben geschneit. Dawa
und ich laufen an zig alten Steinstupas vorbei hinunter ins Tal. Dawa
verschwindet immer mal wieder im Gebüsch. Hat er Durchfall ? Erst an der Hängebrücke
kurz vor Thambochet holt er mich ein. Unter seinen Armen trägt er kiloweise
grünes Gemüse, das er gesammelt hat. Einen Teil verschenkt er in Thambochet,
den Rest wird er mir zum Mittagessen servieren. Doch vorher müssen wir
„noch ein paar Meter“ nach oben. Bis Chilime führt der Pfad noch
einigermaßen flach am Fluss entlang. Doch schon jetzt ist es unerträglich
warm und Dawa legt sich ein großes grünes Pflanzenblatt als Sonnenschutz auf
seinen Kopf. Auf einer Hängebrücke überqueren wir den Fluss und dann geht
es in der prallen Sonne nur noch aufwärts. Bei einer Rast beobachten wir
Mistkäfer beim „Shit-Ball“. Es ist wirklich interessant, wie diesen
kleinen Käfer kreisrunde Kugeln aus einem Haufen Yakscheiße schneiden und
dann das Teil entweder den Weg nach unten rollen oder (meistens vergeblich)
versuchen, das Teil den Weg nach oben zu schieben.
.JPG) .JPG) .JPG)
Wir
kommen über einen Bergrücken und sehen Tadopani vor uns liegen. Es scheint
gar nicht mehr weit entfernt. Aber wieder einmal zeigt sich, dass die
Perspektive im Himalaya manchmal täuscht…. Aber irgendwann kommen wir dann
doch an. Dawa hat eine neue Lodge entdeckt. Das Teil ist aber so neu, dass es
noch keine Küche und keinen Aufenthaltsraum hat. Auf der Toilette fehlt der
Wasseranschluss und in den Zimmern fehlen noch Matratzen und Kopfkissen. Kein
Problem. Die Matratze wird besorgt. Das neue Kopfkissen wird samt
Plastikverpackung in einen Kissenbezug gesteckt. Dawa besteht darauf, dass in
meinem Zimmer auch noch ein Vorhang angebracht wird. Ich bestehe darauf, dass
von der nahen Quelle Wasser für die Toilette besorgt wird… Gekocht wird in
der Lodge nebenan – und das macht Dawa vorsichtshalber selber. Er hat ja
auch unser Gemüse dabei….
.JPG) .JPG) .JPG)
Tadopani
heißt übrigens „heißes Wasser“ und das kommt hier im Ort aus einer heißen
Quelle. Das Wasser fällt aus sechs mundartigen Öffnungen wie eine Dusche in
3 große Badebecken. Da die Umkleidekabine verschlossen ist, entkleide ich
mich am Beckenrand. Es schaut ja nur das ganze Dorf zu…. Da das Wasser sehr
eisenhaltig ist, sind Wasser und Becken braun – und nach dem Bad auch meine
Badehose…
In
der Nacht wache ich immer wieder auf. Im Dorf wird eine Techno-Party gefeiert:
Bumm bumm bumm, bummbumm bumm bumm bumm -> immer und immer wieder der
gleiche monotone Rhythmus. Erst als ich am frühen Morgen die Toilette
einweihe, hört das Klopfen auf. Dawa erzählt mir später, dass im
Nachbarhaus eine Punja-Zeremonie stattgefunden hat. Wahrscheinlich zur
Einweihung der Toilette.
Fortsetzung
folgt.........
|