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Everest 2003 -> Trekking zum Chhukung Ri |
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Am
Kathmandu Airport werde ich bereits von “meiner Familie” erwartet. Ein
Blumengebinde wird mir um den Hals gelegt und ein paar Blumensträuße werden
mir in die Hand gedrückt. Nima wird rot, als ich Ihr einen Schmatz auf die
Backe drücke.. Quartier beziehen, duschen und dann geht es zur Begrüßungsparty
in Tembas Wohnung…. Zum
besseren Verständnis etwas “Familien-Geschichte”: Seit letztem Jahr
finanziere ich mit jährlich 3.000 US-Dollar die Schulausbildung der
Geschwister Nima (16), Sonam (11) und Lobsang (7). Die Kinder stammen aus dem
Langtang-Tal, wo sie vorher auf eine staatliche Schule gingen.
Allerdings
mussten sie dafür täglich rund 5 Stunden Fußmarsch auf sich nehmen um dann
des Öfteren festzustellen, dass die schlecht- oder gar nicht bezahlten Lehrer
nicht anwesend waren…Jetzt erhalten die Kinder an der “Ideal English
School” (IES) , einer Privatschule incl. Internat in Kathmandu, eine
schulische Ausbildung, die ihnen eine gute Chance für ihr weiteres Leben
bietet. Die Eltern der drei, Dawa und Suku, sowie drei weitere jüngere
Geschwister betreiben die Bamboo-Lodge im Langtang-Tal. Temba ist der Onkel
“meiner Kinder”. Er betreibt in Kathmandu ein Trecking-Büro und hat dort
auch mit seiner 8-köpfigen Familie eine Wohnung. Auch seine Kinder sind
teilweise “gesponsert” und gehen auf die IES. Seine Wohnung ist an
schulfreien Tagen Anlaufstelle für alle Kinder der “Großfamilie” und
auch Gäste aus dem Langtang kommen bei ihm unter. Jetzt
darf man sich seine Wohnung aber nicht als riesige Luxusvilla vorstellen.
Eine Küche, ein Wohnzimmer, ein Schlafzimmer und eine Toilette mit
Wasseranschluss stehen für 5 bis 15 Personen zur Verfügung. Je nachdem wie
viele Personen halt gerade da sind. - Und heute ist die Bude voll. Tembas
komplette Familie, meine Kinder und deren Vater, der extra zu meiner Begrüßung
die eintägige Busfahrt nach Kathmandu auf sich genommen hat, sowie Didi
(ebenfalls ein Sponsor aus Deutschland) und dessen schwedischer Kumpel Alex.
Ein sehr gutes Abendessen, ein paar Biere , nette Gespräche, viel Gelächter…erst
nach Mitternacht fahren Alex und ich ins Hotel zurück. Um 6 Uhr werde ich vom Krach auf der Strasse geweckt. Obwohl heute Buddahs Geburtstag – und somit Feiertag ist, herrscht im Thamel, dem Touriviertel Kathmandus, geschäftiges Treiben… Hier hat sich in den letzten Jahren wenig geändert: Hupende Autos und Motorräder auf den staubigen, engen Strassen; Fahrrad-Rikschas und Taxis an allen Ecken; Souvenirgeschäfte, Restaurants, Hotels und Internet-Cafes reihen sich aneinander. Auch das “Thamel-Volk”, das so gar nicht dem “normalen Nepali” entspricht, ist das gleiche geblieben: “No money – only milk for my baby” -> Milch wollte der gleiche Typ bereits letztes Jahr von mir. Auch der kleine einarmige Junge,der alle Hauptstädte dieser Erde kennt und fürs Aufsagen eine Cola will, ist wieder da. “Shoe Shine, your shoes are very dirty” – und das, obwohl meine Ma die Schuhe wirklich ordentlich geputzt hat. “Tiger-Balm, Hasch, Marihuana .. or a nice woman”. Am
Nachmittag feiert die Großfamilie – wir sind jetzt über 20 Leute, denn
irgendwoher sind noch ein paar Kinder aufgetaucht- in Swayambunath-Tempel den
Geburtstag von Buddah. Da noch rund 20.000 andere Nepalis das gleiche tun wird
das “Zusammenhalten der ganzen Herde” ziemlich stressig. Jeder Erwachsene
nimmt zwei Kinder an die Hand und wir ziehen los… Wir huldigen Buddah, indem
wir einen Schal kaufen und diesen einer Figur umhängen. Ein Mönch nimmt den
Schal sofort wieder ab und bringt ihn an den Verkaufsstand zurück… Als Glücksbringer
kaufen wir kleine Vögel und lassen sie fliegen.. Unzählige Gebetsmühlen werden gedreht. Vor allem die über
3 Um
6 Uhr steht mein Taxi hupend vor dem Hotel, denn ich fliege heute nach Lukhla
ins Everestgebiet. Letztes Jahr konnte ich ja leider nicht hierher fliegen, da
die Maoisten kurz vor meinem Abflug den Lukhla-Tower in die Luft gesprengt
hatten. – Die politische Situation hat sich übrigens mittlerweile
entspannt. Friedensgespräche zwischen den Maoisten und Royalisten wurden
erfolgreich geführt und seit Anfang März hat es keine Gefechte mehr gegeben. Da
es fast wolkenlos ist, bekomme ich das Himalaya-Gebirge erstmals zu Gesicht.
Am neuerbauten Lukhla-Tower (2.800m) werde ich von vielen Sherpas empfangen,
die mein Gepäck für rund 7 Euro am Tag durch die Gegend tragen wollen. Ich
lehne dankend ab und mache mich auf den Weg. Der Kanadier Cameron schließt
sich mir an und wir wandern runter nach Ghat (2.500 m) und dann das
Dudh-Kosi-Tal hinauf nach Monjo (2.800m). Leider stellt sich bereits heute
mein “Everest-Problem” ein: die Scheißerei ! Ich habe Bauchschmerzen und
kann die Landschaft irgendwie nicht genießen. In der Nacht pendle ich
zwischen Bett und Blumps-Clo und finde keine Minute Schlaf. Doch zuerst dürfen Cameron und ich am Eingang des “Sagarmatha National Park” unsere 1.000 Ruppees Eintrittsgeld bezahlen. Ein kurzer, steiler Abstieg zum Dudh Kosi, den wir auf einer 120 m langen Hängebrücke überqueren müssen. Das ist gar nicht so einfach, denn eine Herde Yaks versperrt uns den Weg. In Jorsale (2.700m) genehmigen wir uns einen letzten Tee, bevor es nur noch in eine Richtung geht: aufwärts ! Erstes
Hindernis ist die Hillary Bridge, die in 85 Meter Höhe über die Einmündung
des Bote Kosi in den Dudh Kosi führt. Der Blick von der mit Gebetsfahnen
geschmückten Brücke runter ins Tal ist Klasse. Doch wir können nicht lange
verweilen. Ein scharfer Wind weht uns fast die Mützen vom Kopf und außerdem
ist auch schon wieder eine Yakherde im Anmarsch… Jetzt kommt das steilste Stück
der Strecke. In unzähligen Kehren geht es auf dem staubtrockenen Weg steil
nach oben. Viele in den Fels gehauene ,ungleich hohe Treppenstufen machen
einen gleichmäßigen Tritt unmöglich. Die Sonne knallt auf uns nieder…
Nach 4 Stunden erreichen wir – erstaunlicherweise noch relativ fit – die
“Provinzhauptstadt” Namche Bazar. Die
rund 150 großen Steinhäuser mit ihren farbenfrohen Wellblechdächern sind
ein einem Halbkreis in den Hang gebaut. Die Höhenangabe von 3.440 m ist
deshalb auch mit Vorsicht zu genießen, denn der Ort erstreckt sich mit
Sicherheit über mehr als 100 Höhenmeter… Wenn ich sage, dass sich
Kathmandu in den letzten Jahren kaum verändert hat, so trifft das auf Namche
bestimmt nicht zu. Hier hat sich seit meinem letzten Besuch im Jahr 2000 viel
getan : Mehr als 10 neue Hotels; jedes Haus hat Strom und somit krachmachende
Radios und TVs; mehrere Internet-Cafes -> Blumps-Clo und Internet-Cafe -
welch Zwiespalt, Waschmaschinen, Kühlschränke, Satelliten-Telefone,
Leuchtreklamen, ein Kino ! Der Apfelstrudel in der German-Bakery wird jetzt in
der Mikrowelle erhitzt und an jeder Ecke stehen Abfalleimer
(ob die allerdings geleert werden und was mit dem Müll passiert habe ich noch
nicht herausgefunden)… Wir sind uns nicht einig, ob all diese Neuerungen für
den Ort gut sind… vielleicht gibt es ja in ein paar Jahren einen Sessellift,
der von Monjo nach Namche hochführt…. Heute findet der Everest Marathon statt ! Die Strecke führt vom Everest Basislager herunter nach Namche Bazar. Der Sieger der knapp 100 Teilnehmer braucht für die 42 km lange Strecke 3 Stunden und 40 Minuten. Ich laufe unter dem Jubel der zahlreichen Zuschauer mit der Startnummer 21 als Siebzehnter über die Ziellinie… Wenn
man von Namche zum Nationalparkbüro hoch läuft, kann man zum ersten mal in
der Ferne den Mt. Everest (8.850m) sehen. Über seinem Gipfel weht ein
strenger Wind, der einen weißen Kondenzstreifen erzeugt. Rechts vom Everest
die Gepfel von Lothse (8.386m) und Nuptse (7.879m). Im Vordergrund der schöne
Ama Dablam (6.856m). Die Sonne spiegelt sich in den Schneefeldern vom
Thamserku (6.608m) und dem sattelförmigen Gipfelgrat des Kantega (6.779m)…. Das Wetter hat sich merklich verschlechtert. Lediglich am frühen Morgen sind die Berge noch zu sehen – und “früh” heißt hier zwischen 5 und 7 Uhr ! Dann ziehen Wolken auf und nachmittags regnet es meistens. Trotzdem mache ich mich auf den Weg nach Thame (3.800m), das in einem Seitental westlich von Namche liegt. Der Weg ist die traditionelle Handelsroute der Tibeter, die aus ihrer Heimat über den Himalaya herüberkommen, um in Namche ihre Ware zu verkaufen. Momentan ist auf dem Weg aber nicht los, da die Chinesen wegen SARS sämtliche Grenzübergänge dichtgemacht haben…. Weit unter mir donnert der Dudh-Kosi talabwärts; viele buntbemalte Mani-Stones (Gebetssteine) und einige kleine Orte mit schönen Chortens, von denen „die allessehenden Augen Buddahs” in die 4 Himmelsrichtungen blicken. Von der Bergwelt ist aufgrund der Wolken nichts zu sehen… Thame
liegt in einem Hochtal und ist (angeblich) von Schneebergen umgeben.
Wenigstens macht die Sunshine-Lodge ihrem Namen Ehre, denn zwischendurch
dringen Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke. Nach einem Regenguss am
Nachmittag reißen die Wolken etwas auf und rund 200 Höhenmeter über mir
erkenne ich direkt in den Hang gebaut das Kloster von Thame. Ich nehme den
Aufstieg in Kauf und habe Am
Abend dann ein beeindruckendes Naturschauspiel: Innerhalb weniger Minuten
verschwinden die Wolken fast komplett und die Berge kommen zum Vorschein. Der
Kwagde (6.718m) ragt direkt hinter dem Dorf steil in die Höhe und wird von
einigen namenlosen Schneegipfeln umgeben. Auf der anderen Seite steht ein
schattigschwarzer Bergriese, dessen Gipfel von Wolkenfetzen umweht wird. In
der Ferne sind Thamserku und Kantega zu sehen. Im Licht der untergehenden
Sonne erscheinen die Gipfel dunkelrot. Genauso schnell wie die Wolken
verschwunden sind, ziehen sie nun plötzlich wieder das Tal herauf. Innerhalb
von 5 Minuten befinde ich mich in einer Waschküche.... Da
sich die schöne Bergwelt heute wieder nur frühmorgens zeigt, muss ich im
Nebel nach Namche zurücklaufen. Ein kalter Wind macht die Wanderung auch
nicht angenehmer. Wenigstens erreiche ich Namche bevor es anfängt zu regnen.
Keine Ahnung wie es jetzt weitergeht. Bei der derzeitigen Wetterlage macht ein
Aufstieg zB zum Basislager des Everest vorerst keinen Sinn. Aber tagelang in
Namche rumhängen will ich auch nicht. Und wieder zurück nach Kathmandu
gleich zweimal nicht… naja; schau mer mal ! Trotz
schlechtem Wetter steige ich weiter auf. Doch schon von hier aus – wie auch die nächsten Tage – dominiert der Ama Dablam das Bild. Dieser 6.856 m hohe Berg ist einfach schön. Der östlich gelegene Ama Dablam sieht im Gegenlicht der Morgensonne aus wie eine gemalte, große Kirche... Bei
Ang Tashi werde ich herzlich aufgenommen. Auch ihr übergewichtiger Ehemann
ist anwesend. Der erzählt mir, dass er in den Achtzigern zweimal den Everest
bestiegen hat. Aufgrund seines Aussehens glaube ich ihm nicht. Deshalb werden
Beweisphotos hervorgeholt und wir machen einen schönen Bilderabend.
Kammerlander, Habeler, Hillary. Messner mit entblößtem Oberkörper und
Messner beim Pinkeln..... Weniger
schön ist die Geschichte von zwei Mädchen (11 und 13 Jahre), die momentan
von Ang Tashi betreut werden. Der Vater der beiden ist vergangenen Herbst tödlich
verunglückt und Ende März ist nun auch noch die Mutter gestorben. Irgendeine
„Sozialversicherung“ gewährleistet, dass die beiden weiterhin noch bis
Ende des Jahres die Hillary-Schule (incl. Internat) in Khumjung besuchen können.
Und dann ?? Achselzucken ! 500 US-Dollar werden jährlich benötigt, damit
beide weiterhin eine Schule und ein Zuhause haben….. Der
nächste Tag bringt mich zum Kloster Tengboche (3.950m). Im Morgennebel geht
es zuerst 600 Höhenmeter runter zum Dudh Kosi und dann auf einem steilen,
staubigen Weg 800 quälende Höhenmeter rauf nach Tengboche. Doch ich werde für
die Schinderei belohnt, denn am Mittag reist der Himmel auf. Das Panorama ist
das gleiche wie von gestern – aber die Berge erscheinen jetzt zum Greifen
nah.... In Tengboche herrscht geschäftiges Treiben. Vorbereitungen zum 50-jährigen
Jubiläum der Erstbesteigung des Everest. Ich gehe deshalb weiter in die
angenehme „Ama Dablam Garden Lodge“ nach Debuche In
den nächsten Tagen geht es dann weiter nach oben. Immer schön langsam –
zur Vorbeugung gegen die Höhenkrankheit. Überraschenderweise hat sich auch
die Wetterlage stabilisiert. Von den Vorboten des Monsuns ist nichts mehr zu
sehen. Es herrscht das übliche Maiwetter: Frühmorgens wolkenlos und tolle
Sicht. Mittags ziehen Wolken auf und am Nachmittag dann grau in grau. Deshalb
heißt es früh aufstehen. 5 Uhr !!! Dafür werde ich aber mit 27. Mai: Ich bin in Chhukung (4.730m) und habe den Ama Dablam mittlerweile „umrundet“. Die Rückseite des Berges hat zwar nicht mehr die malerische Kirchenform, doch dafür ist eine schneeweiße, zerkluftete Gletscherwand zu sehen. Auf der anderen Seite ragt die im Schatten liegende Lothse/Nuptse-Wand bedrohlich in die Höhe. Der Ort (5 Häuser) ist ausgestorben. Ich bin der einzigste Besucher und somit auch der einzigste, der heute den Chhukung Ri (5.405m) besteigen wird. Oder es zumindest versucht.... Ich erspare es mir jetzt die Qualen zu schildern, die mich der Aufstieg kostet; wenn ich für jeden Schritt mehrere Atemzüge benötige, weil die Luft merklich dünner wird..... Nach 3 Stunden Aufstieg werde ich mit einer – im wahrsten Sinne des Wortes – „atemberaubenden“ Aussicht belohnt. 360 Grad „Himalaya pur“ !!! Mit Lothse (8.501m), Makalu (8.475m) und Cho Oyu (8.153m) liegen drei Achttausender zum Greifen nah vor mir. Lediglich der Everest ist nicht zu sehen. Die Gletscherwand des Ama Dablam liegt im gleißenden Sonnenlicht direkt vor mir. Auf der anderen Seite der geröllbedeckte Nuptse-Gletscher mit mehreren Gletscher-Seen. Zwei Steinadler gleiten lautlos durch die Lüfte. Auf dem Gipfelplateau des Chhukung Ri sind einige Steinmonumente errichtet -> Die einheimischen Sherpas glauben zwar nicht, dass die Seelen der Toten wiederkehren. Doch sie glauben, dass den Toten mit den Steinmonumenten auf den Berggipfeln zumindest eine tolle Aussicht ermöglicht wird. – Sentimentalität überkommt mich, und ich baue für meinen im Vormonat verstorbenen Kollegen Wolfgang ein solches Steinmonument.... Stundenlang
genieße ich die Aussicht und die Sonne. Am frühen Nachmittag ziehen dann
Wolken aus dem Tal herauf und der Wind wird spürbar kälter. Ich steige
wieder ab......... 29.
Mai 1953, 11.30 Uhr: Der Neuseeländer Sir Edmund Hillary und der Sherpa
Tenzing Norgay erreichen als erste Menschen den Gipfel des Mount Everest ! Ein
geschichtsträchtiges Ereignis für das kleine nepalesische Königreich, denn
mit den Bergsteigern kamen auch Devisen in eines der ärmsten Länder der
Welt. Die Sherpas sind alle in ihren farbenfrohen Sonntagsanzügen erschienen. Besonders lustig sehen die „Cowboyhüte“ der Männer aus, die irgendwie nicht hierher passen. Die Mönche tragen ihre traditionellen roten Kutten. Plötzlich ertönt eine Art Flöten- und Trötenmusik: das buddhistische Oberhaupt der Region, der Ringboche, hält Einzug. Er lässt sich auf einem erhöhten Thron nieder um auf seine Schäfchen herabzublicken. Dritter Ehrengast (neben dem Ringboche und mir) ist Peter Hillary, Sohn des legendären Sir Edmund und selbst zweifacher Summiter. Die feierliche Prozedur beginnt mit einem Liedvortrag von fünf jungen Männern. Da es nur ein Mikro gibt ist allerdings nur einer über die altersschwachen Lautsprecher zu hören – und der kann leider nicht singen. Das Publikum spendet artig Beifall.... Es folgen Sherpa-Tänze ! Eigentlich habe ich ja bei den Cowboyhüten so was wie Square-Dance erwartet. Doch weit gefehlt. Rund 10 Minuten lang brummt der älteste (und somit zahnlose) Sherpa etwas vor und die anderen Männer wiederholen das. Die Frauen leiern die ganze Zeit ein „ahh-ahh-ah“ vor sich hin. Der Tanz besteht aus Fußstapfen: rechts – links – links – rechts.... erinnert mich an eine überaus langsame Version des Sirtaki.. Mehr Action kommt dann auf, als die Mönche einen Teil der Mani-Rimdu-Zeremonie aufführen. Bunte Gewänder, grelle Masken mit Fratzengesichtern, ein Drache, Trötenmusik, viele „Ommms“, ein mit Butter beschmiertes Yak.... Dann werden noch einige Reden geschwungen und die 5 Sängerknaben dürfen nochmals ans Mikro.. Zum
Mittagessen gibt es im Kloster kostenlos Dal-Bhat: Reis, Kartoffeln und
Linsensuppe. Traditionell wird mit einer
Hand (der linken) gegessen.. Plötzlich klopft mir eine Sherpa-Dame auf
die Schulter: „ You take your shitty-hand !“ -> Ich nehme nun auch die
linke und verzichte darauf ihr zu Plötzlich
wird es laut. Ein Hubschrauber landet nur wenige Meter neben der Bühne. Eine
riesige Staubfontäne wird aufgewirbelt. Mehrere Yaks suchen erschreckt das
Weite. -> Eine Gruppe japanischer Summiter vom Basislager, die entsprechend
gefeiert werden. Ein Mönch spricht mich an: „ This people are climbers – not walkers. For this reason they have to fligh out.” In der Folgezeit ergibt sich eine interessante Diskussion über das Thema Everest: „ Everest is like a toy !“ Rund 1.000 Bergsteiger bevölkerten dieses Jahr das Everest-Basislager. Eine Bevölkerungsdichte, die in Nepal nur in Kathmandu und Pokaha übertroffen wird. Während früher dort oben bei Punja-Zeremonien Milchtee getrunken wurde und Gebetsfahnen im Wind flatterten, so werden heute Bierpartys gefeiert und Flaggen mit Sponsorenlogos beherrschen das Bild. Auch dieses Jahr haben wieder 168 Bergsteiger (63 Touris und 105 Nepalis) den Everestgipfel erreicht. Aber nur, weil der Berg und die Götter kurz vor Ende der Saison ein Einsehen hatte. „Lhag Yello !“ – Die Götter haben den Aufstieg erlaubt !! (Über den Spruch „Dem Berg ist es sowieso egal“ lachen die Einheimischen nur verächtlich.) -> Was wäre bei soviel Leuten passiert, wenn der Berg an den 3 Gipfeltagen wie bei der Katastrophe 1996 schlechtes Wetter geschickt hätte ??? Nicht auszudenken.... So haben in dieser Frühjahrssaison „nur“ 5 Personen ihr Leben verloren! Doch dies ist vielen Leuten dort oben egal und „in solchen Höhen ist man dümmer als gewöhnlich“. Es lockt der Ruhm, Geld und der besondere „Kick“ – auch wenn es für manche der letzte ist. Immer neue Varianten des Auf- und Abstiegs werden gewählt und im Erfolgsfall als „Rekord“ verkauft. Dieses Jahr wurde ein 74-jähriger Japaner von 8 Sherpas auf den Gipfel „gezogen“. Ein Blinder, ein Beinamputierter, Abfahrt mit Ski oder Snowboard, Runterfliegen im Tandem-Paraglider, Streckenrekorde rauf und runter.... -> „Everest is like a toy !“ Doch was viele vergessen: „In der Geschichte des Everest haben Sherpas stets die größten Lasten getragen – und den geringsten Ruhm geerntet !“
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